Waldgesellschaften
Die Pflanzenarten, die auf einem bestimmten Standort gemeinsam vorkommen, werden als „Pflanzengesellschaft“ bezeichnet. Bildet die Pflanzengesellschaft einen Wald, spricht man von der Waldgesellschaft. Pflanzen- bzw. Waldgesellschaften lassen sich nach typischen Merkmalen unterscheiden und in ein System fassen, komplett mit lateinischen Namen, ähnlich wie bei den Systemen der Tier- und Pflanzenarten. Die Lehre davon heißt „Pflanzensoziologie“, allgemeiner gefasst auch Vegetationskunde.
Das in Mitteleuropa gebräuchliche System der Pflanzengesellschaften basiert auf der potenziellen natürlichen Vegetation. Es beschreibt also die Vegetation, die sich zum heutigen Zeitpunkt unter vom Menschen unbeeinflussten klimatischen und standörtlichen Bedingungen einstellen würde. Die wichtigsten klimatischen Bedingungen sind Temperatur und Niederschlagsmenge im Jahresverlauf, die wichtigsten standörtlichen Bedingungen Wasser- und Nährstoffversorgung des Bodens. Was die Nährstoffversorgung betrifft, ist für die Bestimmung der Pflanzengesellschaft v. a. der Gehalt an basisch wirksamen Nährstoffen (Calcium, Kalium, Magnesium und Natrium), kurz „Basen“ genannt, relevant, der den pH-Wert des Bodens bestimmt. Mittels des pH-Werts lässt sich ein Standort auf einer Skala von sauer (= basenarm) bis basisch (= basenreich) einordnen, was großen Einfluss auf die Vegetation hat.
Außerdem basiert das System der Pflanzengesellschaften auf den Klimaxzustand der Vegetation. Es beschreibt also den Zustand, der sich je nach Standort in Abwesenheit größerer natürlicher Störungen (Waldbrände, Erdrutsche, Flutkatastrophen etc.) einstellen würde. Störereignisse lösen hingegen die natürliche Sukzession aus, während derer sich die Artenzusammensetzung einer Pflanzengesellschaft stark vom Klimaxzustand unterscheiden kann, zu dem sie sich erst wieder hinentwickeln muss.
In der Praxis werden Pflanzengesellschaften anhand von Zeigerpflanzen bestimmt, also von Pflanzenarten, die für die jeweilige Pflanzengesellschaft charakteristisch sind. Dabei ist zu beachten, dass Pflanzengesellschaften, anders als Pflanzenarten, keine strikt voneinander abgrenzbaren biologischen Einheiten bilden, sondern durch fließende Übergänge miteinander verbunden sind. Zudem können sie aufgrund von kleinräumig-mosaikartig variierenden Standortbedingungen auch ineinander verschachtelt auftreten. Daher sind an einem realen Standort selten alle Zeigerpflanzen einer bestimmten Pflanzengesellschaft vertreten und es können auch Zeigerpflanzen mehrerer Pflanzengesellschaften zusammen vorkommen.
Zu beachten ist auch stets der menschliche Einfluss, selbst an naturnah scheinenden Waldstandorten. Besonders trügerisch sind in dieser Hinsicht Waldinnensäume entlang von geschotterten Waldstraßen: Hier kann die Nährstoffversorgung und damit die Vegetation durch das Schottergestein (etwa basenreichen Basalt) künstlich beeinflusst sein. Zur korrekten Bestimmung der natürlichen Pflanzengesellschaft ist es daher notwendig, tiefer in einen Waldbestand hineinzugehen. Und selbst dort kann die Vegetation durch menschliche Faktoren wie Stickstoffeinträge aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft oder Bodenversauerung durch sauren Regen oder standortfremde Nadelholzbestockung beeinflusst sein.
Vor diesem Hintergrund stellen die in der folgenden Übersicht beschriebenen Waldgesellschaften Idealzustände dar, von denen die Realität meist mehr oder weniger abweicht. Unsere Übersicht basiert auf einer Zusammenschau der vom Bundesamt für Naturschutz (2013-2014) veröffentlichten Grund- und Kartierungseinheiten der Karte der potentiellen natürlichen Vegetation Deutschlands und des unabhängig davon vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Umwelt (2014) veröffentlichten Kartierungssystem Heutige potentielle natürliche Vegetation. Ausnahme sind die Nadelwälder, bei denen es sich in Rheinland-Pfalz überwiegend nicht um natürliche Waldgesellschaften, sondern um vom Menschen geschaffene Vegetationskomplexe handelt. Aufgrund ihrer realen Häufigkeit haben wir sie hier jedoch mit aufgeführt.
