Buchenwälder

Waldmeister-Buchenwald in der Osteifel

Verbreitung

Potenzielle Verbreitung

Die Rot-Buche (Fagus sylvatica) ist dank ihrer großen Schattentoleranz und guten Anpassung an mittlere Nährstoff- und Wasserverhältnisse die konkurrenzstärkste Baumart in Mitteleuropa. Rheinland-Pfalz wäre von Natur aus zu fast 100% bewaldet und Buchenwälder würden dabei 83% der Landesfläche einnehmen. Der überwiegende Teil dieser Buchenwälder (55% der Landesfläche) wäre auf basenarmen Standorten zu finden, gefolgt von Buchenwäldern auf Standorten mit mittlerer Basenversorgung (21% der Landesfläche). Am seltensten wären Buchenwälder basenreicher Standorte (7% der Landesfläche). Diese Verteilung spiegelt die Geologie unseres Landes wider: Rheinland-Pfalz ist ein Mittelgebirgsland, und unsere Mittelgebirge bestehen überwiegend aus sauren bis mäßig basischen Gesteinen wie Sandstein, Tonstein und Schiefer. Basenreiche Gesteine wie Kalkstein oder Basalt treten bei uns nur selten und zumeist kleinräumig auf. 

Tatsächliche Verbreitung

Rot-Buche (Fagus sylvatica)

Buchenwälder bilden heute noch (bzw. wieder) den häufigsten Waldtyp in Rheinland-Pfalz. Weil die Bewaldung unseres Landes mit aktuell 43% jedoch weit unter dem potenziellen natürlichen Zustand liegt und die Forstwirtschaft zudem jahrhundertelang andere Baumarten als die Rot-Buche bevorzugt hat, nehmen Buchenwälder heute trotz ihrer Dominanz nur 10% der Landesfläche ein. Erhalten geblieben bzw. in der Neuzeit durch Forstleute wiederhergestellt worden sind vor allem die Buchenwälder basenarmer Standorte. Dies liegt daran, dass diese Standorte für andere Landnutzungen, insbesondere den Ackerbau, am wenigsten interessant sind.

Ein beträchtlicher Teil der basenarmen Buchenstandorte wurde jedoch im 19. und 20. Jahrhundert mit nicht standortheimischen Nadelhölzern bestockt — in den frischeren Bereichen mit Gemeiner Fichte (Picea abies), in den trockeneren mit Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Europäischer Lärche (Larix decidua) oder Gemeiner Douglasie (Pseudotsuga menziesii). Diese naturfernen Nadelforste werden erst seit den 1990ern unter dem Eindruck klimabedingt zunehmender Schäden (Windwurf, Dürre, Käferfraß) und eines allgemeinen ökologischen Bewusstseinswandels zu naturnahen Buchen-Mischwäldern weiterentwickelt bzw. umgebaut. Gelegentlich finden sich auf basenarmen Buchenstandorten auch Mischbestände aus Buche und Lärche, denn die Lärche wurde der Buche bei Wiederaufforstungen auf freier Fläche gerne beigemischt, weil sie schneller wächst, Frost und direkte Sonneneinstrahlung besser verträgt und den heranwachsenden, schattenliebenden Buchen somit als schützender Schirm dienen kann.

Auf den mäßig basischen bis basenreichen Standorten mussten die natürlichen Buchenwälder häufiger der Landwirtschaft weichen und wurden im Zuge der neuzeitlichen Wiederaufforstungen auch seltener wiederhergestellt. Dafür kam es auf diesen Standorten weniger häufig zur Umwandlung verbleibender Buchenwälder in naturferne Nadelforste, denn die Laubholzproduktion ist hier lukrativer als auf den basenarmen Standorten.

Viele unserer heutigen Buchenwälder weisen künstlich erhöhte Eichenanteile auf, bis hin zur Eichendominanz. Dies ist der jahrhundertelangen Bevorzugung und Förderung unserer heimischen Eichenarten Stiel-Eiche (Quercus robur) und Trauben-Eiche (Quercus petraea) als Nutzbaumarten zur Holz- und Gerbstoffproduktion geschuldet. Ein extremes Beispiel sind die berühmten Furniereichenbestände des Pfälzerwaldes, die überwiegend auf Buchenwald-Standorten stocken. Naturschützer betrachten diese künstlich erhöhten Eichenanteile teilweise kritisch als Verfälschung des natürlichen Klimaxzustands der Buchen-Waldgesellschaften. In Zeiten des Klimawandels erleichtern Eichenbeimischungen jedoch die Überführung klimagestresster Buchenwälder in klimaresiliente Mischwälder, denn unsere heimischen Eichenarten kommen mit Dürrestress besser zurecht als die Rot-Buche.

Buchenwälder basenarmer Standorte

Typische Ausprägung

Weiße Hainsimse (Luzula luzuloides)

Die häufigste natürliche Buchen-Waldgesellschaft auf basenarmen Standorten (und damit die häufigste natürliche Waldgesellschaft in Rheinland-Pfalz) ist der Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum). Er stellt sich bei mäßiger Wasserversorgung auf sauren Silikatgesteinen (Quarzit, Sandstein, Schiefer, Rhyolith etc.) ein und ist von Natur aus in allen Höhenlagen des Landes zu finden. Die dazugehörigen Böden sind Ranker bis podsolige Braunerden. Für den Ackerbau sind diese basenarmen Böden kaum interessant, weshalb die natürliche Waldgesellschaft vielerorts erhalten geblieben ist, wenn auch oftmals mit nutzungsbedingt erhöhten Eichenanteilen. Ein gewisser Teil wurde in vorindustrieller Zeit durch Beweidung in Zwergstrauchheide oder Magergrünland umgewandelt, das entweder noch erhalten ist oder ab dem 19. Jahrhundert mit Nadelhölzern wiederaufgeforstet wurde.

In typischer Ausprägung ist der Hainsimsen-Buchenwald sehr artenarm: Die Baumschicht besteht fast ausschließlich aus Rot-Buche, die dort zu hallenartigen Beständen tendiert. Sofern eine Strauchschicht vorhanden ist, wird sie weitgehend vom Buchenjungwuchs gebildet. Vereinzelt gesellen sich Vogelbeere (Sorbus aucuparia), Gemeine Stechpalme (Ilex aquifolium) und als Kletterstrauch das Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) hinzu. Der Boden ist von Buchenstreu bedeckt, die sich hier besonders langsam zersetzt und die Humusform Moder bildet.

Eine Krautschicht ist in diesen bodensauren, dunklen Buchenhallen nur spärlich entwickelt. Stellenweise finden sich genügsame Gräser, vor allem die charakteristischen Hainsimsen (Luzula spp.) sowie Drahtschmiele (Avenella flexuosa) und Pillen-Segge (Carex pilulifera). Im Bergland stoßen Stauden wie Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia), Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella) und Gemeiner Dornfarn (Dryopteris carthusiana) hinzu.

Die Moosschicht ist noch schwächer ausgeprägt. Vereinzelt zeigen sich Schönes Widertonmoos (Polytrichum formosum), Sicheliges Kleingabelzahnmoos (Dicranella heteromalla) und das oft übersehene Zierliche Gleichflügelmoos (Pseudotaxiphyllum elegans).

Die Pionierphase des Hainsimsen-Buchenwaldes ist typischerweise vom Besenginster (Cytisus scoparium) geprägt. Dieser wird von Vorwäldern aus Sand-Birke (Betula pendula), Zitter-Pappel (Populus tremula) und Vogelbeere abgelöst, die schließlich von der Rot-Buche unterwandert und verdrängt werden.

Varianten und Übergänge

In tieferen Lagen können die Hainsimsen in der Krautschicht völlig fehlen, in diesem Fall spricht man vom Drahtschmielen-Buchenwald (Avenello-Fagetum). Sein natürlicher Verbreitungsschwerpunkt in Rheinland-Pfalz liegt in den basenärmeren Sand- und Kiesgebieten der Oberrheinebene, wo er jedoch oft Acker- oder Siedlungsflächen weichen musste oder in Kiefernforst umgewandelt wurde.

Auf felsigen Mittelgebirgsstandorten wird das Kronendach des Hainsimsen-Buchenwaldes trockenheitsbedingt lichter. Dort kann die Blau- oder Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) als bodennaher Zwergstrauch größere Flächen besiedeln. Exponierter Fels zwischen den Heidelbeerdecken ist oft vom Weißmoos (Leucobryum glaucum) bewachsen. Tritt das Weißmoos flächig auf, während Hainsimsen und Heidelbeere zurücktreten, spricht man vom Weißmoos-Buchenwald (Leucobryo-Fagetum).

Vogelbeere (Sorbus aucuparia)

Auf den quarzitischen Gipfelkuppen des Hunsrücks, die als höchste Lagen von Rheinland-Pfalz in die hochmontane Höhenstufe hineinragen, wird die Buche höhenbedingt mattwüchsiger, aber mangels standortheimischer Nadelbaumarten nicht von natürlichem Nadelwald abgelöst. Hier kann die Vogelbeere (= Eberesche) bis in die Baumschicht des Klimaxwaldes vordringen und mitherrschen. Man spricht vom Ebereschen- oder Vogelbeer-Buchenwald (Sorbo-Fagetum). Auch in diesem kann die Heidelbeere als Zwergstrauch auftreten. Zudem ist die Krautschicht hier um Pflanzen ergänzt, die anderswo in Mitteleuropa als Nadelwaldbegleiter gelten, wie Sprossender Bärlapp (Lycopodium annotinum), Rippenfarn (Struthiopteris spicant) und Gemeiner Siebenstern (Lysimachia europaea). Reine Vogelbeer-Buchenwälder sind heute kaum noch zu finden, denn in den meisten Fällen wurde diese Waldgesellschaft tatsächlich in Nadelwald umgewandelt, zumeist in Fichtenforst.

Auf den submontanen Höhen des südlichen Pfälzerwaldes tritt die Weiß-Tanne (Abies alba), die hier den nordwestlichen Rand ihrer natürlichen Verbreitung in Mitteleuropa erreicht, vereinzelt oder in Kleingruppen zur Baumschicht hinzu, allerdings selten in so starkem Maße, dass sie die Artenzusammensetzung des Hainsimsen-Buchenwaldes, der hier auf Buntsandstein wächst, nennenswert in Richtung der Tannen-Buchen-Mischwälder beeinflusst. Dort, wo in dieser Region höhere Tannenanteile bis hin zur Tannendominanz zu verzeichnen sind, ist dies in der Regel der forstlichen Förderung der Baumart geschuldet. Die Krautschicht ist dort im Vergleich zum typischen Hainsimsen-Buchenwald um Nadelwaldbegleiter wie den Sprossenden Bärlapp ergänzt. Zudem bildet sich auf der Nadelstreu, die zur Bodenversauerung beiträgt, eine ausgeprägtere Moosschicht, die neben den oben genannten Arten weitere Säurezeiger wie Gemeines Gabelzahnmoos (Dicranium scoparium) und Zypressenschlafmoos (Hypnum cupressiforme) enthält.

An den Trocken- und Nässegrenzen seines Verbreitungsspektrums geht der Hainsimsen-Buchenwald in natürliche Eichen-Mischwälder über: Auf trockenen bis wechseltrockenen Standorten in Traubeneichen-Mischwälder, auf feuchten bis wechselfeuchten Standorten in Stieleichen-Mischwälder.

Zu den Buchenwäldern mäßig basenversorgter Standorte zeigt der Hainsimsen-Buchenwald mosaikartige bis fließende Übergänge, insbesondere zum Flattergras-Buchenwald.

Buchenwälder mäßig basenversorgter Standorte

Typische Ausprägung

Waldmeister (Galium odoratum)

Die häufigste Buchenwaldgesellschaft auf mäßig basenversorgten Standorten ist der Waldmeister-Buchenwald (Galio-Fagetum), alternativ auch als „Perlgras-Buchenwald“ (Melico-Fagetum) bezeichnet. Er stellt sich bei gleichbleibend mäßiger Wasserversorgung auf mäßig basischen Silikatgesteinen (Tonstein, Tonschiefer etc.) sowie auf Bims- oder Lössablagerungen ein. Die dazugehörigen Böden (Braunerden bis Parabraunerden) sind relativ fruchtbar und daher für die Landwirtschaft bedeutend, weshalb diese Waldgesellschaft vielerorts in Acker- oder Grünland, Obst- oder Weinbauflächen umgewandelt worden ist. Dennoch ist sie mit ihren Restvorkommen die zweithäufigste natürliche Waldgesellschaft in Rheinland-Pfalz. Eine Umwandlung in naturfernen Nadelforst hat auf ihren Standorten seltener stattgefunden, denn der Laubholzertrag ist hier höher als auf den sauren Buchenstandorten.

In seiner typischen Ausprägung ist auch der Waldmeister-Buchenwald ein fast reiner Buchenwald mit Tendenz zur Hallenstruktur. Der Baumschicht aus Rot-Buche sind jedoch vereinzelt Halbschattbaumarten beigemischt, vor allem Gemeine Hainbuche (Carpinus betulus) und Vogel-Kirsche (Prunus avium), in höheren Lagen auch Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus). Auf wintermilden Standorten („Weinbauklima“) kommen wärmeliebende Baumarten wie Mehlbeere (Sorbus aria), Elsbeere (Sorbus torminalis) und Speierling (Sorbus domestica) sowie die von den Römern eingeführte Edel-Kastanie (Castanea sativa) hinzu. Die lichtbedürftigeren Eichen sind von Natur aus seltener vertreten, ihr Anteil ist aber auch in dieser Waldgesellschaft vielerorts künstlich erhöht, bedingt durch traditionelle, die Eichen fördernde Nutzungen wie Nieder- und Mittelwaldwirtschaft. Die Strauchschicht ist eher spärlich, enthält aber neben dem Buchenjungwuchs häufig auch echte Sträucher wie Gemeine Hasel (Corylus avellana) und Zweigriffligen Weißdorn (Crataegus laevigata) sowie als Kletterstrauch das Gemeine Efeu (Hedera helix).

Goldnessel (Lamium galeobdolon)

Typisch für die Krautschicht des Waldmeister-Buchenwaldes sind flächige Vorkommen mäßig anspruchsvoller Stauden und Gräser, vor allem von Waldmeister (Galium odoratum), Goldnessel (Lamium galeobdolon agg.) und Kleinem Springkraut (Impatiens parviflora) sowie Einblütigem Perlgras (Melica uniflora) und Wald-Schwingel (Festuca altissima), in frischeren Bereichen auch Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), in trockeneren Berg-Segge (Carex montana). Je nach Höhenlage kommen zahlreiche weitere Arten hinzu, in mittleren bis tieferen Lagen etwa Europäisches Maiglöckchen (Convallaria majalis) und Wald-Knäuelgras (Dactylis polygama), in höheren Lagen Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum) und Purpur-Hasenlattich (Prenanthes purpurea). Frische Ausprägungen des Waldmeister-Buchenwaldes zeigen einen deutlichen Frühjahrsaspekt mit Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), seltener auch mit Gold-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus agg.).

Die Moosschicht ist auch in dieser Waldgesellschaft nur spärlich ausgeprägt. Am häufigsten kommen Schönes Widertonmoos und Welliges Katharinenmoos (Atrichum undulatum) vor. Die Buchenstreu zersetzt sich hier relativ schnell. Die typische Humusform des Waldmeister-Buchenwaldes ist daher der Mull.

Die Pionierphase des Waldmeister-Buchenwaldes ist von Him- (Rubus idaeus) und Brombeere (Rubus fruticosus agg.), Schwarzem (Sambucus nigra) und Rotem Holunder (Sambucus racemosa), Wildrosen (Rosa spp.), Schlehe (Prunus spinosa) und Gemeiner Hasel geprägt, abgelöst von Vorwäldern aus Sand-Birke, Zitter-Pappel, Vogelbeere, Vogel-Kirsche und Sal-Weide (Salix caprea), welche schließlich von der Rot-Buche unterwandert und verdrängt werden.

Varianten und Übergänge

Im Tiefland fehlt in der Krautschicht der Waldmeister, prägend ist stattdessen das Wald-Flattergras (Milium effusum) und man spricht vom Flattergras-Buchenwald (Milio-Fagetum). Dieser kann bis ins Hügelland vordringen und zeigt floristische Übergänge zu den Buchenwäldern saurer Standorte, mit denen er oft verzahnt ist, insbesondere zum Hainsimsen-Buchenwald. Entsprechend tendiert seine Humusform zum Moder. Häufigster natürlicher Standort des Flattergras-Buchenwaldes in Rheinland-Pfalz sind die Sandlehme der Oberrheinebene, von denen diese Waldgesellschaft jedoch fast vollständig verschwunden ist. Sie wurde zumeist durch Acker- und Obstbauflächen ersetzt, örtlich auch durch Kiefernforste.

Buchenwälder basenreicher Standorte

Typische Ausprägung

Die häufigste Buchenwaldgesellschaft auf basenreichen Standorten in Rheinland-Pfalz ist der Waldgersten-Buchenwald (Hordelymo-Fagetum). Er stellt sich bei mäßiger Wasserversorgung auf basischen Silikat- (Basalt) oder Karbonatgesteinen (Kalkstein) ein, deren Vorkommen hierzulande begrenzt sind. Die dazugehörigen Böden (Basalt- oder Kalkbraunerden bis Rendzinen) werden landwirtschaftlich genutzt, weshalb diese Waldgesellschaft, dort wo sie sporadisch natürlich auftritt (Eifel, Gutland, hoher Westerwald, Randlagen des Mittelrheinischen Beckens, Oberrheinebene), zumeist in Grün- oder Ackerland umgewandelt wurde. Eine Umwandlung in naturferne Nadelforste fand hingegen nur sehr selten statt, da der Laubholzertrag in dieser Waldgesellschaft sehr hoch ist. Somit gibt es Restbestände, die aber infolge traditioneller Nutzungen wie Nieder- und Mittelwaldwirtschaft vielerorts einen künstlich erhöhten Anteil an Mischbaumarten, insbesondere Eichen, aufweisen.

Der Waldgersten-Buchenwald ist in seiner typischen Ausprägung ein zur Hallenstruktur tendierender Buchenwald mit langschäftigen, sehr wüchsigen Rot-Buchen, denen Halbschattbaumarten wie Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Gemeine Hainbuche, Feld-Ahorn (Acer campestre), Vogel-Kirsche und Elsbeere beigemischt sind, in geringem Maße auch Halblichtbaumarten wie Stiel- und Trauben-Eiche. Die Strauchschicht ist auch in dieser Waldgesellschaft eher spärlich, aber artenreich ausgeprägt. Sie enthält neben Großsträuchern wie Gemeiner Hasel, Weißdorn-Arten, Gemeinem (Viburnum opulus) und Wolligem Schneeball (Viburnum lantana), Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea) und Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) auch kleinere Sträucher wie Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Berg-Johannisbeere (Ribes alpinum) und Gemeinen Seidelbast (Daphne mezereum). Als Kletterstrauch ist auch hier das Gemeine Efeu vertreten. Auf trockeneren Standorten tendiert der Waldgersten-Buchenwald zur Zweischichtigkeit mit einem deutlichen Unterstand aus zurückgebliebenen Individuen der beteiligten Baumarten sowie einer deutlicher ausgeprägten Strauchschicht, die auch lichtbedürftigere Arten wie etwa Wildrosen enthält. Auf basaltischen, blockreichen Standorten sind Berg-Ahorn und Berg-Ulme (Ulmus glabra) an der Baumschicht beteiligt, deren schattentoleranter Jungwuchs zur Mehrschichtigkeit beiträgt.

Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine bulbifera)

Die Krautschicht des Waldgersten-Buchenwaldes entspricht in großen Teilen der des Waldmeister-Buchenwaldes, einschließlich des Frühjahrsaspekts mit Busch-Windröschen auf frischeren Standorten. Der Waldmeister selbst ist hier sogar im Optimum. Hinzu kommen aber anspruchsvolle, basenliebende Arten wie Waldgerste (Hordelymus europaeus), Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) und Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis agg.), auf basaltischen Standorten auch die Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine bulbifera). Eine Moosschicht fehlt typischerweise völlig. Die Buchenstreu zersetzt sich hier schnell, die Humusform ist der Mull.

Viele der Mischgehölze des Waldgersten-Buchenwaldes treten bereits während der Pionier- und Vorwaldphasen dieser Waldgesellschaft auf, deren sonstige Gehölzpalette den entsprechenden Phasen des Waldmeister-Buchenwaldes entspricht, abzüglich der Sand-Birke, die hier kaum auftritt.

Varianten und Übergänge

An der Wärme- und Trockengrenze ihres Verbreitungsspektrums bildet die Rot-Buche auf kalkreichen Standorten krüppelig-mehrschichtige, lichtdurchflutete Bestände, zu denen neben vielen der oben genannten Gehölze noch weitere hinzutreten können, insbesondere Mehlbeer-Arten. Dank des größeren Lichtgenusses ist die Krautschicht hier deutlicher ausgeprägt. Die Waldgerste tritt als Zeiger zurück, dafür kommen Orchideenarten wie Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) und Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) hinzu. Diese Waldgesellschaft wird als Orchideen-Buchenwald (Cephalanthero-Fagetum) bezeichnet. Sie steht am Übergang zu den Eichengehölzen der trockensten Standorte, an denen auf Kalkstein neben der Trauben-Eiche auch die Flaum-Eiche (Quercus pubescens) beteiligt sein kann, deren Status als heimische Baumart in Rheinland-Pfalz jedoch umstritten ist. Der Orchideen-Buchenwald tritt in Rheinland-Pfalz von Natur aus nur sehr kleinräumig auf, schwerpunktmäßig in den Kalkgebieten von Eifel, Gutland und Westrich sowie auf den Kalksanden der Oberrheinebene. Ein Teil dieser natürlichen Vorkommen wurde durch Schafbeweidung in Kalkmagergrünland oder Wacholderheide umgewandelt, in der Oberrheinebene zumeist in Weinbauflächen, seltener in Kiefernforst.

An der Nässegrenze seines Verbreitungsspektrums zeigt der Waldgersten-Buchenwald floristische Übergänge zu den Eschen-Mischwäldern.