Pirol

Ein gelber Pirol sitzt auf einem Ast.
Priol

Der Pirol ist ein mittelgroßer, farbenprächtiger Singvogel aus der Familie der Pirole, der einzige Vertreter dieser Familie in Europa. Als scheuer Laubwaldbewohner hält er sich meist im dichten Kronendach der Bäume verborgen. Er brütet im nemoralen (kühlgemäßigten) bis mediterranen (warmgemäßigten) Europa, Westasien und Nordwestafrika. Zum Überwintern zieht er ins Afrika südlich der Sahara.

Aussehen

Der Pirol erreicht eine mittlere Körperlänge von 22-25 cm. Die Flügelspannweite liegt bei ca. 35 cm. Kopf und Rumpf des Männchens sind gelb, seine Flügeldecken, Teile der Schwanzfedern und ein Zügelband zwischen Schnabel und Auge schwarz gefärbt. Das Weibchen ist oberseits zunächst mattgrün mit weißlicher, dunkel gesprenkelter Brust. Mit zunehmendem Alter wird sein Aussehen dem des Männchens ähnlicher, die dunkle Sprenkelung bis Strichelung der Brust bleibt jedoch erhalten. Die Augen beider Geschlechter sind rötlich braun, der Schnabel rötlich rosa, die Beine schwarzviolett.

Verbreitung

Das Brutgebiet des Pirols umfasst fast den gesamten westeurasischen Waldgürtel südlich der borealen Zone. Auf den Britischen Inseln erreicht er allerdings nur den Osten Englands. Die Nordgrenze seiner Brutvorkommen verläuft durch Südschweden und Südfinnland. Ostwärts brütet er bis in nach Südwestssibirien, südostwärts bis ins iranische Zagrosgebirge und südwestwärts bis in den nördlichen Maghreb. Im Norden seines Brutgebiets gilt der Pirol als Tieflandbewohner. Mit zunehmender südlicher Breite verlagern sich seine Brutvorkommen in höhere Lagen. Die höchsten Nester in Deutschland wurden auf 730 m gefunden.

Das Überwinterungsgebiet des Pirols umfasst große Teile des subsaharischen Afrikas, insbesondere Zentral- und Südostafrika mit Ausstrahlungen bis ins atlantische Westafrika sowie nach Madagaskar. Dabei werden feuchte Laubwälder und gehölzreiche Flussgebiete bevorzugt und baumfreie Regionen gemieden.

In Rheinland-Pfalz kommt der Pirol fast landesweit vor, entweder als Brutvogel oder als Durchzieher. Mit 1.000 bis 2.200 Brutpaaren (2017-2022), Tendenz abnehmend, gilt er bei uns als mittelhäufig und wird als gefährdet eingestuft. Am ehesten kann man ihn hierzulande in lichten Eichen-Hainbuchenwäldern, Auwäldern und Ufergehölzen sowie in ausgedehnten, laubholzreichen, südexponierten Feldgehölzen und Parks finden.

Verhalten und Nahrung

Der Pirol lebt außerhalb der Zeit der Paarung und Jungenaufzucht einzelgängerisch und ernährt sich von Insekten (v. a. Schmetterlingsraupen) und weichen Früchten. Er ist tagaktiv und verbringt die meiste Zeit sitzend oder hüpfend bis kletternd im Kronenbereich. Der Nahrungserwerb erfolgt vor allem durch Absuche, seltener durch Flugjagd, wobei auch Rüttel- und Stoßflug beherrscht werden. Der Vogel ist für seinen melodischen Flötengesang bekannt, den das Männchen besser beherrscht als das Weibchen. Zudem werden krächzende Lock- und Warnrufe geäußert, die denen des Eichelhähers ähneln.

Der Pirol gilt als Breitfrontzieher, der Barrieren wie die Alpen und die Sahara ohne Umwege überfliegt. Der Fortzug des Vogels in die afrikanischen Überwinterungsgebiete beginnt in Mitteleuropa bereits im Juli und kulminiert im August, wobei einzelne Nachzügler noch bis Oktober anzutreffen sind. Die ersten Rückkehrer treffen im März bei uns ein, die meisten jedoch erst im Mai.

Fortpflanzung

Pirole gehen monogame Saisonehen ein. Ob diese auch über den Winterzug hinweg Bestand haben, ist noch nicht ausreichend erforscht. Das Pirolnest ist ein Napf aus Gras, Blättern und Rinde, der vom Weibchen im hochgelegenen äußeren Kronenbereich vitaler Laubbäume, insbesondere Eichen, gebaut wird. Die Brut beginnt bei uns meist Ende Mai. Das Gelege besteht aus drei bis fünf crème- bis rosafarbenen, dunkel gesprenkelten Eiern. Auch die Bebrütung wird hauptsächlich vom Weibchen vorgenommen. Nach 16-17 Tagen schlüpfen die Jungen, die von beiden Eltern weitere 16-17 Tage lang mit Raupen und Früchten gefüttert werden, bis sie das Nest für erste Flugversuche verlassen. Die Familie bleibt jedoch noch bis zum Beginn des Winterzuges zusammen.