Buntspecht
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Der Buntspecht ist dank seiner großen Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume und seines weiten Nahrungsspektrums die am weitesten verbreitete Spechtart Eurasiens. Er tritt in Mitteleuropa als Standvogel, in anderen Regionen auch als Strichvogel auf. In Deutschland und Rheinland-Pfalz ist er die häufigste Spechtart.
Aussehen
Der Buntspecht gehört wie fast alle heimischen Spechtarten zur Unterfamilie der Echten Spechte. Er erreicht eine mittlere Körperlänge von 22-23 cm und eine mittlere Spannweite von 34-39 cm. Mit seinem schwarz-weiß-rot gemusterten Federkleid ist er auf den ersten Blick mit zwei weiteren in Rheinland-Pfalz heimischen „bunten“ Spechtarten verwechselbar, dem etwas kleineren Mittelspecht und dem deutlich kleineren Kleinspecht. Von beiden ist er, abgesehen von seiner Körpergröße, durch die schärfere Abgrenzung der Farbfelder in seinem Gefieder unterscheidbar, insbesondere durch seine einheitlich weiße Brust ohne dunkel gestrichelte Flanken (beim Mittelspecht deutliche, beim Kleinspecht feinere Strichelung), den kräftig roten Unterschwanz (beim Mittelspecht blass rot, beim Kleinspecht weiß) und dem weitgehend schwarzen, nur beim Männchen am Hinterkopf roten Scheitel (beim Mittelspecht weitgehend rot, beim Kleinspecht umgekehrte Rot-Schwarz-Verteilung). Bei Jungvögeln sind diese Erkennungsmerkmale weniger stark ausgeprägt.
Die Augen des Buntspechts sind schwarz, die Zehen grau und zygodaktyl, d. h. es zeigen zwei Zehen nach vorne und zwei nach hinten, was das senkrechte Klettern am Stamm erleichtert.
Verbreitung
Der Buntspecht besiedelt große Teile Eurasiens. Sein Verbreitungsgebiet reicht vom Atlantik (Portugal, Britische Inseln, Norwegen) bis zum Pazifik (China, Japan, Kamtschatka). Im Norden begrenzt die arktische Baumgrenze seine Verbreitung. Im Süden stößt er bis Nordafrika (Atlas), Nordiran (Elburs) und Nordthailand vor, fehlt aber in den dazwischenliegenden baumfreien Wüsten- und Steppengebieten.
In Rheinland-Pfalz gehört der Buntspecht zu den häufigen Vögeln und gilt als ungefährdet. Mit 72.000 bis 132.000 (2017-2022) Brutpaaren, Tendenz steigend, ist er unsere mit Abstand häufigste Spechtart.
Lebensraum
Der Buntspecht ist bei seiner Habitatwahl weniger anspruchsvoll als andere Spechtarten. Er kommt vom Tiefland bis zur alpinen Waldgrenze in den verschiedensten Landschaften vor, sofern Gehölze vorhanden sind, darunter Laub- und Nadelwälder ebenso wie Gärten und Parks im Siedlungsbereich. Seine Bruthöhlen legt er nicht nur in Bäumen, sondern in jüngerer Zeit auch in der verputzten Styropor-Wärmedämmung von Gebäuden an, was Vergrämungsmaßnahen nötig machen kann.
Verhalten
Der Buntspecht lebt als tagaktiver Einzelgänger, der nachts in seinen Höhlen nächtigt. Er ist ein guter Kletterer und wendiger Flieger. Typisch ist sein Wellenflug, doch er beherrscht zahlreiche weitere Flugtechniken, darunter Gleit-, Rüttel-, Stoß- und Spiralkreisflug. Am Boden und auf horizontalen Ästen bewegt er sich hüpfend fort.
Zu den Lautäußerungen des Buntspechts gehört neben kurzen Rufen wie kick oder kix vor allem das Klopfen bei der Nahrungssuche. Bei der Balz lässt er weichere gwig-Rufe sowie Trommelwirbel erklingen. Beide Geschlechter trommeln, um Partner anzulocken. Zudem wird auch zur Revierabgrenzung getrommelt. Dabei werden nicht nur Trommelbäume genutzt, sondern ggf. auch andere Resonanzkörper, etwa metallische Regenrinnen. Fast flügge Jungspechte sind für ihre ausdauernden Rufe aus dem Höhlenloch bekannt.
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Nahrung
Der Buntspecht hat ein breites Nahrungsspektrum. Während Gliederfüßer, v. a. holz- und rindenbewohnende Insekten aller Entwicklungsstadien, den Hauptbestandteil seines Menüs ausmachen, greift er besonders im insektenarmen Winter auf Beeren, Nüsse und Samen zurück. Müssen letztere erst geknackt werden, klemmt er sie dazu in Baumspalten oder selbst ins Holz gehackten Löchern ein, sogenannten „Spechtschmieden“, um sie besser behacken zu können. Auch mit hartschaligen Käfern wird so verfahren. Der Buntspecht ist bei dieser Art der Nahrungsgewinnung äußerst effektiv. Er legt sich mehrere, strategisch über seinen Aktionsraum verteilte Schmieden an, so dass der gesamte Vorgang von der Heranschaffung des Samenträgers, etwa eines Zapfens, bis zur kompletten Ausbeute im günstigsten Fall nur wenige Minuten dauert. In Lärchenbeständen kann der Buntspecht so etwa 5.000 bis 6.000 Samen pro Tag vertilgen.
Zur Nahrungsergänzung werden während der Saftzeit, insbesondere im Frühling, Äste „geringelt“, d. h. der Specht entfernt die Rinde, um den Saft zu schlecken. Vom Saft angelockte Insekten werden dabei mit aufgenommen. Seltener bricht der Buntspecht auch als Nesträuber in die Bruthöhlen kleinerer Vögel wie Meisen und Kleinspechte ein.
Fortpflanzung
Der Buntspecht geht eine bis zwei territoriale, monogame Beziehungen pro Jahr ein. Die Balz beginnt im späten Winter bis zeitigen Frühjahr. Bruthöhlen werden in gemeinsamer Arbeit beider Partner in 3 bis 8 m Höhe an Stämmen oder starken Ästen angelegt, in deutlich geringerer Höhe also als etwa beim Schwarzspecht. In der Regel wird für jede Brut eine neue Höhle gezimmert. Nicht selten wird mit dem Bau mehrerer Höhlen gleichzeitig begonnen, von denen dann für jede Brut eine vollendet wird. Ab Mitte April erfolgt die Ablage von 5 bis 7 weißen Eiern. Die Jungen schlüpfen nach 11 bis 13 Tagen und werden im Alter von 3 bis 4 Wochen flügge. Beide Geschlechter beteiligen sich an Brut und Aufzucht, wobei die Aufzucht insbesondere bei Zweitbruten eher dem Männchen überlassen wird. Etwa ein Fünftel der Buntspechtweibchen brütet zweimal im Jahr, zunächst mit einem erfahreneren, dann mit einem unerfahreneren Männchen.
