Waldnotitzen: Efeu im Wald - kein Parasit, sondern wertvoller Teil des Ökosystems
© Landesforsten.RLP / Hieronymus Pauli

Immer wieder hört man, der Gemeine Efeu (Hedera helix) sei ein Parasit und bringe die Bäume zum Absterben. Und immer wieder entdecken wir im Wald abgeschlagene Efeuranken. Leider!
Zunächst einmal ist der Efeu eine einheimische Pfanzenart und seit Jahrtausenden Bestandteil unseres Waldökosystems. Die Behauptungen, Efeu erdrossele Bäume, entziehe ihnen Nährstoffe, nehme ihnen das Licht weg oder bringe sie allein durch sein Gewicht zum Zusammenbrechen, lassen sich nicht wissenschaftlich belegen.
Tatsächlich ist der Efeu kein Parasit. Er nutzt den Baum lediglich als Kletterhilfe, um ans Licht zu gelangen. Seine Haftwurzeln dienen dazu, sich in der Rinde festzuhalten. Sie dringen jedoch nicht in das Holz ein und entziehen dem Baum somit weder Nährstoffe noch Wasser.
Auch beim Licht verhält es sich anders, als häufig angenommen: Nicht der Efeu nimmt dem Baum das Licht – vielmehr ragt die Krone des Baumes normalerweise weit über den Efeu hinaus. Solange der Baum eine kräftige und vitale Krone besitzt, bekommt der Efeu vergleichsweise wenig Licht. Wird der Baum aus anderen Gründen geschwächt oder stirbt ein Teil seiner Krone ab, gelangt mehr Licht zum Efeu und er kann kräftiger wachsen.
Somit entsteht leicht der Eindruck, der Efeu habe den Baum geschwächt. Tatsächlich kann es aber umgekehrt sein: Der Efeu nutzt lediglich die Lichtverhältnisse, die sich durch die Schwächung des Baumes ergeben.
Auch das Erdrosseln von Bäumen durch Efeu konnte durch Untersuchungen von Jahrringen bei Bäumen mit Efeubewuchs nicht belegt werden.
Der Efeu schadet dem Baum also keinesfalls. Vielmehr hat er viele positive Eigenschaften:
- Er beschattet den Baumstamm und schützt ihn so vor starker Sonneneinstrahlung und Sonnenbrand bzw. Hitze
- Efeu blüht sehr spät im Jahr, wenn viele andere Pflanzen bereits verblüht sind. Deswegen ist er für Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten, Insbesondere für Bienen. Die Efeu-Seidenbiene ist für ihre Fortpflanzung sogar auf den Efeu angewiesen.
- Die Beeren reifen erst im Winter und bieten so den Vögeln in der nahrungsarmen Zeit wichtige Nahrung.
- Efeu bietet Vögeln eine gute Deckung für Nistplätze.
- Efeu kann den Boden bedecken und vor Austrocknung und Erosion schützen
- Efeu ist Lebensraum für viele Insekten und Spinnarten.
Rein rechtlich gesehen, ist das Entfernen von Efeu im Wald sogar verboten: Nach § 39 BNatSchG ist es verboten, „wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten“ sowie „Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören.“
Wollen wir uns doch lieber an der wunderbaren Erscheinung des Efeus erfreuen und uns bewusst machen, welche wichtige Rolle diese heimische Pflanze in unserem Waldökosystem spielt!
