Herrnsheimer Klauern

Die Herrnsheimer Klauern sind eines der wichtigsten Auewaldbiotope von Rheinhessen. Das Auewaldrelikt stellt einen einzigartigen Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere dar. Das rund 80 Hektar große Waldgebiet liegt in der Nähe von Herrnsheim und folgt einer leichten Bodenvertiefung, dem Rest eines sehr alten, vorgeschichtlichen Rheinarms. Anders als klassische Auewälder sind die Herrnsheimer Klauern von großen Fließgewässern vollständig unabhängig.

Waldgeschichte

Kopfweide

Die Bezeichnung „Klauer“ deutet auf ein natürliches Feuchtbiotop hin. Früher wurden in den „Klauern“ Weiden angepflanzt, deren Ruten zum Herstellen von Körben, aber ebenso für das Aufbinden der Reben im Frühjahr verwendet wurden. Zur Gewinnung der Reiser wurden die Weiden immer wieder „auf den Kopf geschnitten“. Heute gibt es aufgrund von Wassermangel keine Weiden mehr in den Herrnsheimer Klauern.

Die Herrnsheimer Klauern waren vor 1870 bäuerlicher Kleinstprivatwald. Dieser Wald wurde niederwaldartig zur Gewinnung von Brennholz bewirtschaftet und bestand vorwiegend aus Gestrüpp. Auf den feuchteren Böden breitete sich der Weiden-Pappel-Auewald aus. An den etwas trockeneren Standorten kam der Eschen-Ulmen-Auewald vor. Erlenbruchwald war nur in unmittelbarer Umgebung der Quellhorizonte zu finden, wo sich das Wasser staute. Die geschlossene Baumschicht wurde überwiegend von Stieleiche, Esche und Feldulme gebildet.

Ab 1870 wurden die bäuerlichen Kleinstparzellen durch private Hand aufgekauft. Im Fokus lag damals die jagdliche Nutzung des Gebietes. Die Waldwirtschaft und Waldpflege wurden nur sehr extensiv und unregelmäßig betrieben. Durch die Vertiefung der Entwässerungsgräben um 1935 war es möglich, lukrativere Baumarten zur Holzproduktion anzubauen. Während des Zweiten Weltkrieges und in den Nachkriegsjahren wurde der Wald geplündert, weil der Holzbedarf der notleidenden Bevölkerung besonders groß war. Die Fläche der Herrnsheimer Klauern reduzierte sich um ca. 60 %. In der Folge wurden viele Flächen mit schnellwachsender Pappel wieder bepflanzt.

Bis zu Beginn der 70er Jahre war der Herrnsheimer Wald von hoch anstehendem Grundwasser geprägt. Meliorationsarbeiten, Entwässerungsmaßnahmen und Wasserentnahmen zur Feldberieselung haben den Grundwasserspiegel erheblich absinken lassen. Nach einem Zeitungsbericht vom Januar 1993 soll der Grundwasserspiegel im Wormser Norden in drei Jahren um rund 1,20 Meter gefallen sein. Für die Pappeln war diese Veränderung fatal. Ein Großteil der hohen Bäume verdurstete, denn sie waren einen Wasserüberfluss gewöhnt. Der dichte Waldbestand löste sich flächig auf und andere Arten, wie Bergahorn und Esche, konnten sich ansamen.

Waldbewirtschaftung heute

Biotopbaum

Das Land Rheinland-Pfalz hat sich durch den Ankauf des Waldes verpflichtet, dieses einmalig schöne Waldgebiet bei Worms zu pflegen und im Sinne eines nachhaltigen Landschafts- und Waldschutzes zu erhalten. Die Herrnsheimer Klauern sind für den lokalen Klimaschutz und als Naherholungsgebiet von herausragender Bedeutung. Das Waldgebiet wird seit dem Jahr 2000 zum Großteil durch das Forstamt Rheinhessen bewirtschaftet.

Das Hauptziel heute lautet: Walderhalt. Die klimawandelbedingte Grundwasserabsenkung und die geringen Niederschläge schwächen die Bäume und machen diese anfällig, z. B. für Pilzerkrankungen. Daher sterben heute einige Bäume auch schon im jungen Alter ab. Auch Baumarten, die hervorragend zum Standort passen sollten, haben große Schwierigkeiten. An einigen Stellen werden darum unangepasste Baumarten gefällt, um verbleibende klimaresiliente Bäume im Wachstum zu unterstützen.

2013 wurde auf einer geschlossenen Teilfläche von mehr als 300.000 Quadratmetern ein Waldrefugium in den Herrnsheimer Klauern eingerichtet. Dies erfolgte in einem Kooperationsprojekt mit der EWR AG. Waldrefugien sind Flächen, die dem Arten- und Biotopschutz gewidmet und dauerhaft oder für eine Waldgeneration aus der Nutzung genommen werden. Dort werden keine Bäume mehr gefällt.

Die Geschichte zeigt, dass die Herrnsheimer Klauern bei weitem kein Urwald sind. Der Mensch hat das Ökosystem erheblich beeinflusst und gestaltet. Im Vergleich zur landwirtschaftlichen Kulturlandschaft ist das Waldstück jedoch sehr naturnah. Viele Arten finden in den Klauern einen geeigneten Lebensraum und Rückzugsort.