WoodStop

WoodStop am Zollstock

„In Zeiten von Krisen sind wir besonders gefordert umzudenken, um neue Wege und Möglichkeiten zu erschließen.“

Friedrich Zollinger

 

Präambel

Verbindet man die Ideen der Willkommenskultur Wald bei Landesforsten RLP mit den Leitgedanken für das Biosphärenreservat, so bedarf die Ausstattung des Pfälzerwaldes mit Wetterschutzhütten einer kritischen Prüfung. Die fehlende Jetzt-Zeit-Anmutung der bestehenden, maroden Schutzhütten im Pfälzerwald soll einer modernen, architektonisch kreativen Gestaltung weichen. Dabei ist gleichermaßen anzuregen, dass überwiegend Holz und andere Naturmaterialien zum Einsatz kommen. Dieser Herausforderung haben sich Jun.-Prof. Dr. Christoph Robeller und Jürgen Gottschall, FA. cltech Hightech Holzbau gestellt. Mit Unterstützung durch das Holzbaucluster und Landesforsten Rheinland-Pfalz ist das Projekt Wood Stop entstanden, der im Forstamt Annweiler am Zollstock realisiert wird. Dieses Projekt vereint an einem Beispiel für innovativen und modernen Holzbau mit der Edelkastanie – in der Region Keschde genannt - einige Besonderheiten:

  • Gitterkonstruktion aus nachhaltig und regional erzeugtem Laubholz;
  • Regionalbezug durch Verwendung der Charakterbaumart „Keschde“,
  • kurze Wege für Holzbereitstellung, Einschnitt und Abbund sowie Aufbau;
  • wertschöpfend durch Verwendung kurzer Laubholz-Längen;
  • natürliche Dauerhaftigkeit ohne Störstoffe,
  • Verzicht auf metallische Verbindungen des tragenden Holzverbindungssystems;
  • Materialeinsparung durch die innovative, modifizierte Zollinger-Bauweise;
  • Neu-Interpretation alter, lokaler Handwerkstechniken durch Holz-Schindel-Dach;
  • Anwendung digitaler Holzbearbeitungstechnologie (Industrie 4.0); und am Ende
  • Recycling nach dem cradle-to-cradle-Prinzip möglich.

Aufgrund der Innovation und zukunftsweisenden Lösungsansätze hat die anschauliche Umsetzung das Potential zu einem Alleinstellungsmerkmal.

Die neue Hütte soll gleichermaßen in den Prädikatswanderweg "Keschde-Erlebnis-Weg" eingebettet werden, einer Kooperation zwischen den beiden Tourismusbüros der VGen Annweiler und Landau-Land sowie Landesforsten Rheinland-Pfalz.

Willkommenskultur im Wald – regional, ästhetisch und modern:fresh new look

Standort Zollstock und „Keschde-Erlebnis-Weg“

Der Standort Zollstock stellt eine wichtige Wegekreuzung am Haardtrand mit hohem Besucheraufkommen dar. Der Standort liegt entlang des Prädikatswanderweges „Keschde-Erlebnis-Weg“. Anhand von 12 Stationen auf einem Rundweg wird den Besuchenden die Keschde erfahr- und erlebbar gemacht. Der Rundweg ist 6,1 km lang und überwindet 108 Höhenmeter, bei einer Laufzeit von ca. 2 Stunden. Entlang des Weges trifft man auf Themen-Stationen, Picknick-Plätze mit tollen Aussichten und natürlich dreht sich alles um die Keschde. Entlang des Weges wird erläutert, woher die Edelkastanie ursprünglich kommt und warum sie so wichtig für unseren Wald ist. Gleichermaßen wird vermittelt, was man aus den Früchten und dem Holz des Multitalents Kastanie alles machen kann – bis hin zu modernem, innovativem Holzbau veranschaulicht durch den WoodStop.

 

 
 

Bauplanung – Bauausführung

Als Baumaterial für den WoodStop kommt das hierfür bislang wenig für diesen Zweck verwendete Holz der Edelkastanie zum Einsatz. Die wärmeliebende und im Forstamtsbereich Annweiler auf über 700 Hektar bestandsbildende Baumart verfügt von Natur aus über gute Materialeigenschaften. So sorgt beispielsweise der große Gehalt an Gerbstoffen für eine natürlich hohe Dauerhaftigkeit. Die gekrümmte und freitragende Gitter-Schalenkonstruktion stellt eine moderne Neu-Interpretation der Zollinger-Bauweise dar. Ende des Ersten Weltkriegs und die damalige Material- und Wohnungsnot regte den Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger dazu an, eine besonders materialeffiziente Dachbauweise zu entwickeln. Das Resultat war eine gekrümmte, freitragende Dachkonstruktion aus kurzen Hölzern, heute bekannt als Zollingerdach. Das Zollingerdach spart 30 bis 40 Prozent Baumaterial im Vergleich zu anderen Dachstuhl- und Hallendachkonstruktionen aus Brettschichtholz ein. Ergänzend hat es eine einmalige Ästhetik, eine sehr gute Klimabilanz und besteht im Kern aus zwei standardisierten Bauteile, den Lamellen. Diese werden mittels Schwalbenschwanzverbindungen metallfrei zur freitragenden Gitterkonstruktion verbunden. Die Anwendung digitaler Holzbearbeitungstechnologie (Industrie 4.0) ermöglicht es auf Grundlage der modernen Gitterkonstruktion, die Stärken der Zollingerbauweise hervorzuheben und für zukünftige Bauvorhaben zu visualisieren. Die Eindeckung erfolgt mit gehauenen Kastanien-Schindeln – ein altes Handwerk in moderner Umsetzung.

 

 

Ressourcenschonend, sparsam und ästhetisch

 

Kurze Längen sind für die Verwendung von Laubholz

sehr gut geeignet und ermöglichen hohe Ausbeutegrade

Schwalbenschwanzverbindung sind

metallfrei und bei Laubholz-Verwendung

sehr stabil

 

Ideenskizze für ein komplexes Gitternetz-

Tragwerk mit positiver Krümmung und

Kastanien-Verschindelung