Wald im Wandel

Serie der Nahe-Zeitung zur klimawandelbedingten Veränderung des Waldes in unserer Region

von Bernd Lischke

Es handelt sich um die Entwurfstexte vor der redaktionellen Bearbeitung, die sich aber nur geringfügig von den veröffentlichten Versionen unterscheiden.


An der Borkenkäferfalle mit Hammer und Messbecher

Neue Serie: Der Wald im Wandel - Monitoring gibt Auskunft über Zeitpunkt und Stärke des Ausschwärmens der Insekten

Günther Breitkopf
Günther Breitkopf

Leisel    Wenn Günther Breitkopf in Sachen Borkenkäfer ausrückt, hat er immer einen schweren Holzhammer dabei. Der Mitarbeiter des Forstamtes Birkenfeld betreut drei der Monitoring-Stationen im Land, mit der die jährliche Entwicklung der Borkenkäferpopulation überwacht wird.

Die Standorte im Wald bei Eisen, oberhalb von Leisel und in Niederwörresbach fährt Breitkopf ab Ende April jeden Montag an, um die Fangbehälter mehrerer Flugbarrierefallen, zu leeren.

„Es geht los! 3000 Stück! Das ist viel für die zweite Maiwoche!“ ist sein Kommentar an Falle ‚Leisel 1‘. „Letzten Montag waren es erst ganz wenige!“ Die erste Schwärmflug des Buchdruckers, wie dieser spezielle Fichtenborkenkäfer aufgrund seines Fraßbildes heißt, hat also begonnen. Und das recht früh in diesem Jahr. Das gefräßige Tierchen braucht eine gewisse Mindesttemperatur, um aus den Startlöchern zu kommen. Überwintert haben die Käfer im Boden oder unter der Rinde ihres abgestorbenen Brutbaumes.

Zählen muss Günther Breitkopf die Tierchen übrigens nicht. Ein Messbecher leistet hier gute Dienste.

Ein früher Start der Schädlingssaison birgt die Gefahr, dass sich im Falle eines trockenen Sommers eine dritte Generation so weit entwickeln kann, dass ein Teil der Käfer noch schlüpft. Eine fatale Ausgangssituation für das darauffolgende Jahr!

Neben der Kunststofffalle liegen noch drei dicke Fichtenstammstücke, die wie die Falle mit einem Lockstoff bestückt sind. Kleine Häufchen von Bohrmehl lassen erkennen, dass der Käfer darin zu Gange ist. Hier braucht Breitkopf seinen Holzhammer. Mit einem breiten Stemmeisen sticht er gezielt zwei Rindestücke aus der Oberfläche, jeweils auf der Sonnen- und Schattenseite. In der Innenseite der Rindestücke sind zwei kurze Gänge erkennbar, in deren Ränder kleine Nischen genagt sind. „Eindeutig! Die erste Eiablage ist erfolgt,“ erkennt Breitkopf nach einem Blick durch die Lupe.

Während die Fallen über die Zahl der Käfer und ihre Schwärmzeit informieren, geben die Fangbäume Auskunft über den Entwicklungsstand der Brut und damit über den Zeitpunkt der nächsten „Angriffswelle“.

Diese Daten aus der Region sind für das Anfang des Jahres gegründete „Lagezentrum Borkenkäfer“ in Hermeskeil enorm wichtig, um die Bekämpfung des Borkenkäfers über mehrere Forstämter hinweg strategisch planen und zeitnah anpassen zu können. Die landesweiten Ergebnisse des Borkenkäfermonitorings sind jede Woche auf der Internetseite von Landesforsten unter www.wald.rlp.de abrufbar.


Der kleine Käfer ist ein Killer

Wie der Buchdrucker den Saftstrom von Nadelbäumen kappt

Fraßbild
Fraßbild

Baumholder   Spaziergänger, die an Ostern im Naherholungsgebiet Gärtel bei Baumholder unterwegs waren, dürfte der schlechte Zustand des Waldes dort aufgefallen sein. Der einst geschlossene Nadelwald wurde in den letzten Jahren stark aufgelichtet: Viele Bäume fehlen und auch die Kahlfläche unterhalb des Grünewaldblicks hat sich im letzten Jahr nochmals vergrößert. Verursacher ist der Buchdrucker, ein ausschließlich die Fichte schädigender Borkenkäfer.

Der Käfer schafft es, massive Exemplare dieser Baumart in kürzester Zeit zum Absterben zu bringen. Aber wie macht er das?

Bäume transportieren im Holz ihr Wasser nach oben in die Krone. Die grünen Nadeln produzieren mit Hilfe des Sonnenlichts und des Kohlendioxyds der Luft daraus eine nahrhafte Zuckerlösung. Diese Zuckerlösung wird unter der Rinde, im sogenannten Bast, in alle Baumteile geleitet, um diese zu ernähren und Holzsubstanz aufzubauen. Doch genau dieses Zuckerwasser ist eine tolle Nahrung für Insektenlarven.

Deshalb legt der Borkenkäfer seine Eier in einen Längsgang unter der Rinde der Fichten ab. Von hier aus fressen sich die Larven - quer zum Stamm - durch den saftdurchfluteten Bast und durchtrennen dabei die Leitungen.

Ein einzelner Käfer wäre dabei nicht das Problem, der Schaden an einem Baum wäre überschaubar. Doch die Käfer locken mit Pheromonen zahlreiche Kolleginnen und Kollegen an und informieren sie mit dem Lockstoff über den gedeckten Tisch. So reiht sich in kürzester Zeit Fraßbild überlappend an Fraßbild und der gesamte Saftstrom des Nadelbaumes wird unterbrochen.

Über kurz oder lang erhält die Wurzel dann keine Nahrung mehr, verhungert regelrecht und kann kein Wasser mehr in die Nadeln pumpen ... Ende! Der gesamte Baum stirbt ab.

Manchmal ist dabei ein seltsames Phänomen zu beobachten: Während vom Stamm schon die tote Rinde bröckelt, ist die Krone noch grün. Reservestoffe in der Wurzel haben diese nach Ausbleiben des Nahrungsnachschubs noch etwas am Leben gehalten. Sie konnte so noch eine kurze Zeit Wasser durch die unversehrten Leitungen im Holz nach oben pumpen. Sind die Reserven der Wurzel aufgebraucht, stirbt auch die Krone und damit der Baum.


Borkenkäferlarven haben wieder mächtigen Appetit

Forstämter im Nationalparklandkreis stehen vor großen Herausforderungen bei der Verarbeitung und Vermarktung von Käferholz

Käferfläche Buhlenberg
Käferfläche Buhlenberg

Buhlenberg.  Der Borkenkäfer wütet auch im Landkreis Birkenfeld. Anfang des Monats fand ein massiver Schwärmflug des Buchdruckers statt, der zu einem sofortigen Befall bisher gesunder Fichten führte, die umgehend gefällt werden mussten. Wir beleuchten heute in unserer Serie die Frage, welche Probleme die dabei anfallenden Holzmengen den Forstleuten bereiten.

Offenkundig wird die Problematik derzeit nördlich der Gemeinde Buhlenberg. Schon in den beiden letzten Jahren waren hier erhebliche Mengen Käferholz angefallen und eine große Kahlfläche entstanden. Weniger augenfällig zwar als das „Rinzenberger Loch“, das von der B269 gut einsehbar ist, aber nicht weniger dramatisch.

Aufgrund des bereits entstandenen Schadens hatten die Forstleute natürlich die Buhlenberger Fläche genau im Auge. Die verbliebenen Bestände wurden Stamm für Stamm auf Käferbefall kontrolliert. „Rund 300 Festmeter hatten wir mit Befallszeichen gefunden und für die Maschine markiert“, berichtet Yannick Theis, der die Arbeiten vor Ort koordiniert. „Dann kam die zweite Welle: noch während der Aufarbeitung stürzten sich am Pfingstwochenende Hundertausende Käfer, die im Boden überwintert haben, auf die bisher käferfreien Fichten.“ Die erneute Kontrolle ergab eine mehr als fünffache Menge an einzuschlagendem Holz. 1600 Festmeter liegen mittlerweile abfuhrbereit am Waldweg.

Natürlich ist es Glück im Unglück, dass gerade ein Harvester, eine Holzerntemaschine, vor Ort war. Die Situation ist ein Paradebeispiel dafür, wie unkalkulierbar Maßnahmen im Katastrophenfall sind. Planung ist fast nicht möglich, Arbeitsorganisation und Logistik fordern allen Beteiligten ein Höchstmaß an Flexibilität und Engagement ab.

Verständlicherweise ist den Waldbesitzenden das Hemd näher als die Hose: Jeder will sein Holz schnellstmöglich auf den Markt bringen. Die Furcht vor Preisverfall und Absatzproblemen ist groß. Ein Gerangel um Maschinen, Arbeiter und Verkaufskontingente gibt es trotzdem nicht.

Gab es sonst schon einmal einen „kollegialen Kannibalismus“ um die knappen Ressourcen, stellen sich heute Forstämter, Revierleitungen und Waldbesitzende im Schulterschluss der Katastrophe entgegen. Hilfreich war hier die Einrichtung des Lagezentrums Borkenkäfer beim Kompetenzzentrum Waldtechnik in Hermeskeil. „Hier laufen alle Meldungen über erforderliche Maßnahmen zusammen, werden Maschineneinsatze koordiniert, Unternehmer rekrutiert und - ganz wichtig - die zeitnahe Kommunikation zwischen allen Beteiligten sichergestellt,“ umschreibt Jan Rommelfanger, Leiter des Kompetenzzentrums, die Arbeit des Borkenkäfer-Lagezentrums. Von hier aus werden auch die waldbesitzenden Kommunen regelmäßig per Newsletter über die Käfersituation informiert. Alles in allem ein logistischer Kraftakt!

Auch dem Holzverkauf fordert die Situation einiges ab. Eine reibungsfreie Zusammenarbeit mit der Kommunalen Holzvermarktungsorganisation HVO in Morbach, zuständig für den Absatz des „Gemeindeholzes“, ist sichergestellt. Trotz bescheidener Konjunkturlage im Bauwesen ist der Absatz von Fichtenstammholz für Schnittware bei gutem Preis – noch – möglich. In anderen Holzsortimenten, die in Holzwerkstoffe wie die Spanplatte fließen, sieht es schlechter aus.

Im Falle von Buhlenberg sichert ein unkompliziertes Übergabeverfahren den schnellen Abfluss der Holzmenge ins Sägewerk. Ohne differenzierte Abstufung in unterschiedliche Qualitätsklassen wird das Holz im Werk vermessen. „Der LKW kommt und lädt das Holz auf, ohne dass wir uns weiter darum kümmern müssen. Die Stückzahl erfassen wir an jedem Holzpolter optisch mit dem Smartphone. Die Menge für die vom Käufer vorab zu leistende Bürgschaft liefert uns das qualitätsgesicherte Harvestermaß“, beschreibt Yannick Theiss vom Forstamt Birkenfeld das schnelle und sichere Verfahren. Somit ist das Holz aus dem Wald, wenn in einigen Wochen die neue Käfergeneration ausfliegen würde – wäre sie nicht schon durch die Holzentrindung im Sägewerk unschädlich gemacht.

Dies zeigt: Kooperation, Kommunikation und vielleicht auch ein gewisses Maß an organisatorischer Kreativität sind die einzigen wirksamen Mittel zur Bewältigung der Borkenkäfer-Katastrophe.


Was Borkenkäfer mit Pokémons zu tun haben

Forstleute begeben sich mit digitaler Unterstützung auf die Jagd nach Schädlingen - Fast täglich entstehen neue Kahlschläge

Maja Quack
Maja Quack

Gollenberg.  Die Borkenkäferkatastrophe als Folge des Klimawandels verändert den Wald in rasantem Tempo. Fast täglich entstehen durch den Schädling neue Kahlflächen. Um diese Zerstörungen zu reduzieren, wäre eine ständige, einzelstammweise Kontrolle aller Fichtenbestände notwendig. Wie die Forstämter dies bei knapper Personaldecke organisieren, beschreibt der heutige Teil unserer Serie: Pokemons sind derzeit bei den Forstleuten in aller Munde.

Humor in Zeiten der Katastrophe? Eher nicht! Die Smartphone-App zum Borkenkäfermonitoring, abgekürzt BoKäMon, hatte natürlich schnell ihren Spitznamen weg. Dabei sind sich die Smartphone-Applikationen durchaus ähnlich. Auch bei der Pokemon-App geht es um das digitale Aufspüren kleiner Tierchen. Diese werden anhand von GPS-Daten virtuell in das reale Umgebungsbild eingespiegelt. Augmented Reality – erweiterte Wirklichkeit - ist der Fachbegriff dafür.

Anders als bei den Comic-Figuren aus der japanischen Fernsehserie geht es bei BoKäMon darum, die real existierenden Käfer im Wald aufzustöbern und die Befallsorte des Schädlings in die virtuelle Welt der Karten einzuspeisen. Auch hier kommen GPS-Daten zum Einsatz.

Auf die Suche machen sich dabei nicht nur Forstleute. Die können mit der logistischen Herausforderung für Einsatzorganisation und Holzbereitstellung ihren Arbeitstag mehr als füllen. Und auch der Ruf nach Brennholz ist nicht leiser geworden!

Deshalb baut man im Lagezentrum Borkenkäfer auf 95 externe Helferinnen und Helfer. Eine davon ist Maja Quack aus Abentheuer. Sie ist im Gemeindewald in Gollenberg im Einsatz und stöbert dort die Käfernester auf. „Ich engagiere mich gerne für die Umwelt und hier hat sich die Chance geboten, bei freier Zeiteinteilung in der Heimatregion der Natur zu helfen und vielleicht ganz direkt die eine oder andere Waldecke vor dem Käfer zu retten“, erläutert die 19jährige ihre Beweggründe und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Es gibt ja auch eine angemessene Aufwandsentschädigung.“

Bevor sie im Wald aktiv werden konnte, musste sie ein kleines Käferabitur ablegen: In Theorie und Praxis wurde sie in die Thematik eingearbeitet, denn um befallene Fichten frühzeitig erkennen zu können, braucht´s Kwow-How und einen geschulten Blick.

Nun geht sie jede Woche in den Wald, sucht neue Befallsorte in „ihrem“ Revierteil und gibt sie via App in das Waldinformationssystem von Landesforsten, abgekürzt WaldIS-rlp, ein. Auf den dort hinterlegten Karten tauchen die Orte als Punkte auf, die mit der Zeit die Farbe ändern. Zum Beispiel dann, wenn die Revierleitung den Arbeitsauftrag vergeben hat, das Holz aufgearbeitet oder abgefahren ist. Alle im Team haben Zugang zu diesen brandaktuellen Informationen, was die Kommunikation und Organisation deutlich beschleunigt.

In WaldIS sind aber auch noch andere Informationen hinterlegt, wie die Auswertung von Spezialaufnahmen aus Befliegungen, die die Vitalität von Fichten differenziert darstellt.

Neben der ausgeklügelten Informationstechnik ist moderne Hardware im Einsatz bei der Borkenkäferbekämpfung. Dazu gehört eine Fotodrohne. Die Informationen aus den Drohnenflügen liefern jedoch keine Erkenntnisse für aktuellen Käferbefall, solange die Baumkronen noch grün sind. Werden sie braun, ist es ohnehin für den Baum zu spät und die neue Käfergeneration ist meist schon ausgeflogen. Trockene Einzelbäume aus dem Vorjahr geben in großen, unübersichtlichen Nadelholzkomplexen aber frühzeitig Hinweise auf mögliche Orte, wo Maja Quack einmal gezielt suchen könnte.


Was tut sich auf dem Rinzenberger Loch?

Naturwald als ökologische Wiederbewaldung

Rinzenberger Loch
Rinzenberger Loch

Rinzenberg    Wer von Birkenfeld auf der B269 in Richtung Morbach fährt, blickt unwillkürlich auf den Rand des Hochwaldes. Dort klafft im Wald eine riesige Lücke. Der Borkenkäfer hat hier keinen Baum übriggelassen. Etwa zehn Hektar groß ist die Kahlfläche, deren oberer Teil zum Nationalpark gehört. Dort lässt man die Natur im Kernbereich zwar walten, aber in ausreichend großen Randzonen werden die Käferfichten zum Schutz der benachbarten Waldbesitzenden eingeschlagen. Lediglich Bäume, die der Käfer bereits verlassen hat und von denen keine Gefahr mehr ausgeht, verbleiben als ökologisch wertvolles Totholz auf der Fläche. Bei den Maßnahmen arbeitet der Nationalpark eng mit dem Forstamt im Lagezentrum Borkenkäfer zusammen. Für die Fachleute von Landesforsten und dem Nationalpark ist klar, dass der Borkenkäfer kein lokales Phänomen ist. Die Schwerpunktbereiche des Borkenkäfers sind deutschlandweit und dem Klima geschuldet.

Aktuell breitet sich der Borkenkäfer auch im Landreis Birkenfeld immer weiter aus. Dies hat langfristige Folgen für das Waldbild der Region.und ist Thema unserer Serie „Wald im Wandel.“ Der heutige Beitrag beschäftigt sich am Beispiel einer auffallenden Kahlfläche mit der Frage, was im Rahmen der Wiederbewaldung hier passiert. Als „Rinzenberger Loch“ ist diese Fläche schon in den lokalen Sprachgebrauch eingeflossen.

„Der Frage nachzugehen, woher der erste Käfer kam, der zum schon sprichwörtlichen Rinzenberger Loch geführt hat, ist müßig“, sagt Revierleiter Philipp Conrad, der für den betroffenen Gemeindewald Rinzenberg zuständig ist. „Die Käfer sind überall und am Anfang sind es einige wenige Einzelbäume, an denen die Katastrophe ihren Ursprung hat. Schuldzuweisungen wären hier unsachlich und unfair, der Ursprung ist nicht mehr feststellbar. Man kann fast davon ausgehen, dass der Käfer so oder so gekommen wäre.“

Die Frage ist, wie geht man mit der Lage um? Was geschieht aber nun auf diesen Flächen?

 Der Nationalpark greift nicht ein. Hier lässt, beobachtet und analysiert man. Forschung und Monitoring sind Daueraufgaben, um die Entwicklung der Natur ohne menschliche Einflüsse zu beobachten und dabei wichtige Erkenntnisse für den Umgang zu gewinnen.

Und im Gemeindewald Rinzenberg? Es wäre ein Leichtes, sich auch dort auf geflügelte Worte zu berufen: „Wie schön hat´s doch die Forstpartie: Der Wald, er wächst auch ohne sie“. Unter dem Gesichtspunkt der Erziehung und Pflege eines ertragreichen Wirtschaftswaldes hat dies nie gestimmt. Ein Fünkchen Wahrheit enthält der Spruch schon, das wissen die Forstleute seit jeher. Lässt man der Natur ihren Lauf, stellt sich auf Kahlflächen wieder Wald ein. Zunächst sprießt eine üppige Schlagflora aus krautigen Pflanzen, aber schon nach wenigen Jahren recken kleine Bäume die Köpfe über Weidenröschen und Kreuzkraut. Nicht immer jene Baumarten mit dem erwünschen Nutzholz, aber das ist heute ohnehin nicht mehr das Streben der Forstpartie. Hier erfolgte vor wenigen Jahren ein Paradigmenwechsel bei Landesforsten für den Staatswald, und auch den Kommunen wird diese Herangehensweise empfohlen. Landesforsten sehen im Erhalt des Waldes, welcher Ausformung auch immer, ihre Zukunftsaufgabe. Es geht darum, Wald für die kommenden Generationen zu erhalten und infolge des Klimawandels ist es fast schon sicher, dass er nicht mehr so aussehen wird, wie heute. Da kann die Erforschung im Nationalpark auch wichtige Impulse liefern. Die Försterinnen und Förster werden nehmen, was die Natur ihnen gibt und dieses Geschenk noch mit trockenresistenten neuen Arten wie beispielsweise der Baumhasel aufwerten. Man hegt die Hoffnung, dass im schlimmsten Fall wenigstens diese überleben. „Naturwald plus“ heißt deshalb dieser Ansatz einer ökologischen Wiederbewaldung, die sich im Grunde aber auf die vor Ort vorkommenden Baumarten stützt. Eine künftige Holznutzung schließt dies nicht aus, sie ist aber kein Planungsbestandteil bei Wiederbegründung von Waldflächen.

Revierleiter Philipp Conrad wagt noch zu scherzen: „Palmen pflanzen wir noch nicht, aber mit dem kleinflächigen Anbau von wärmeliebenden Esskastanien haben wir in Rinzenberg schon begonnen.“

Aber kann Naturwald plus auf der Rinzenberger Fläche gelingen? Zwar haben sich auf vor der Käferkatastrophe entstandenen Lücken Laub- und Nadelhölzer etabliert, ein gepflanzter Horst zehnjähriger Douglasien trotzt aller Unbill und vom schattigen Rand her breiten sich Buchen und Eichen aus – 180 Meter pro Generation, wenn man der Wissenschaft glauben möchte. Kaum tröstlich, dass die Fläche in 600 Jahren wieder geschlossen ist. Da helfen aber leichtsamige Pionierbaumarten wie Pappel und Birke und – man glaubt es kaum – die Fichte. Am feuchten Hangfuß könnte sie massenhaft einfliegen. Und dann ist es an der Zeit, einer Nadelholzdominanz entgegenzuwirken, um die Wiederholung der Katastrophe in 100 Jahren zu vermeiden. Gelenkte Sukzession ist das Motto.

Auf dem überwiegenden Teil des Rinzenberger Loches besteht die Befürchtung derzeit aber nicht. Der Hang ist nach Richtung und Neigung exakt auf die Mittagssonne ausgerichtet. Mehr Sonneneinstrahlung geht nicht. Trocknender Ostwind streift über die Fläche und das Wasser versickert hangabwärts. Kein Moospolster, das es aufsaugt.

Im staubtrockenen Boden ist kein Keimling zu finden, weder von Baum noch Kraut. Auch die Pflanzung vermeintlich klimawandeltauglicher neuer Baumarten dürfte hier an seine Grenzen stoßen. Folgen weitere extrem trockene Jahre, versteppt die Fläche. Irgendwie kommt einem da die Sache mit der Palme wieder in den Sinn...


Alte Buchen schützen ihren Nachwuchs

Wie der Klimawandel Baumarten betrifft - Ein Blick in den Stadtwald Baumholder

Buche im Trockenstress
Buche im Trockenstress

Baumholder   Die katastrophalen Borkenkäferschäden in den Fichtenbeständen sind allgegenwärtig und auffallend. In unserer Serie „Wald im Wandel“ betrachten wir heute die Situation in den Laubholzbeständen. Die Schäden an Buchen und Eichen sind eine direkte Folge der mehrjährigen anhaltenden Trockenheit.

Die Fichtenbestände in Rheinland-Pfalz sterben derzeit mit fortschreitendem Tempo. Die erschreckenden Bilder lenken allerdings davon ab, dass auch andere Baumarten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Blickt man vom Gegenhang in den Kronenbereich eines Buchenbestandes, fallen oft einzelne Baumskelette ins Auge. Hier hat ein Einzelbaum offenbar den im Klimawandel härter werdenden Kampf ums knappe Wasser gegen stärkere Nachbarn verloren. Mit Insekten hat dies nichts zu tun, das buchentypische Käfervolk besiedelt die Bäume erst nach deren Tod.

In modernen Waldmärchen werden Bäume allgemein und insbesondere die Buche als „Mutter des Waldes“ als freundliche, empathische Wesen dargestellt. In Wirklichkeit ist der innerartliche Konkurrenzkampf bei Bäumen brutal. Wer nicht mitkommt, stirbt! Das gilt insbesondere für lichtliebende Baumarten wie die Eiche. „Die Eiche ist der Eiche Feind“ heißt es in alten Forstlehrbüchern. Mit ihrer tiefreichenden Pfahlwurzel kann sie der Trockenheit länger trotzen, dennoch zeigen sich vielerorts auch an dieser widerstandsfähigen Baumart erhebliche Schäden.

Den Kampf ums Licht gewonnen, bekommt der Platz an der Sonne der Buche in Zeiten des Klimawandels aber nicht immer. Mächtige Bäume brauchen auch mächtig viel Wasser und die extreme Hitzeeinstrahlung auf der Rinde lässt zunehmend bei älteren, einzelstehenden Bäumen das Kambium überhitzen und absterben. Die empfindliche Zellschicht sorgt unter anderem für die stetige Erneuerung der Wasser- und Nährstoffleitsysteme in Holz und Bastschicht.

Die Buche scheint zudem ein fast menschlich anmutendes Problem zu haben: Mit dem Alter nimmt die Anpassungsfähigkeit und die Widerstandskraft ab. Der Wassermangel wirkt sich überall negativ aus. Deutlich sichtbar ist dies im Stadtwald Baumholder rund um das Waldhaus im Gärtel. Unterhalb des Freizeitgeländes sind viele einzelstehende alte Buchen bereits abgestorben oder wurden aus Sicherheitsgründen gefällt.

“Gott sei Dank hat sich darunter schon Jungwuchs etabliert, der Wald bleibt also erhalten,“ ist Marlen Eickhoff, die als „Försterin for Future“ Unterstützung in der Revierleitung leistet, überzeugt. „Auch wir Forstleute lieben alte Buchenbestände, aber eine gedeihende Naturverjüngung freut uns genau so sehr. Diese Sichtweise, auch junge Bestände als wertvollen und voll funktionsfähigen Wald anzuerkennen, sollten sich Waldbesucher zu eigen machen“, meint die Försterin.

Gerade bei der Buche müssen die Alten den Nachwuchs schützen und ihm Schatten spenden, aber auch ihren Platz irgendwann räumen, wenn dauerhafte Leistungsfähigkeit gewährleistet sein soll. Auch dies klingt wieder vertraut menschlich. Man sollte sich allerdings davor hüten, diese Parallelen zu ziehen und in der Folge die sachlichen biologischen Vorgänge mit Emotionen zu belegen, auch wenn sich solche Geschichten derzeit gut verkaufen lassen.

Der Stadtwald Baumholder liegt am unteren Ende der optimalen Höhenlage für die Buche. Die Standorte sind teilweise besser für die wärmeliebende und trockenheitsresistentere Eiche geeignet. Aber selbst diese leidet unter dem Klimawandel. Im Baumholder Gärtel ist das deutlich sichtbar. So mussten auch dicke Eichen am Waldhaus sicherheitshalber gefällt werden und selbst den Kindern im letztjährigen Ferienprogramm wurde bewusst, dass die Folgen des Klimawandels im Wald nicht nur die Forstleute betreffen: Der mächtige Ast einer Eiche, der sonst eine abenteuerlich schwingende Schaukel trug, war vertrocknet und konnte nicht mehr genutzt werden.

„Förster*in for Future“ ist die offizielle Bezeichnung für eine Ausbildungsvariante der Anwärterinnen und Anwärter bei Landeforsten Rheinland-Pfalz. Bachelor-Absolventinnen werden eingestellt und machen praktische Erfahrungen, ohne gleich Verantwortung zu übernehmen. Sie können nach mehrjähriger Tätigkeit Förster werden.