„Das letzte Jahr war total spannend in Sachen Feldhasen im Wald“, freut sich Stefanie Czaja aus dem Projekt-Team. Moment mal. Was machen denn Feldhasen im Wald? Leben Hasen nicht eher auf Wiesen und Feldern? „Feldhasen kommen immer wieder auch in großräumigen, geschlossenen Wäldern fern ab vom Offenland vor. So auch im Pfälzerwald. Nur weiß man eigentlich nichts über sie. Zum Beispiel, was sie dort fressen, wie sie sich verhalten und ob sie sich erfolgreich fortpflanzen können. Bis jetzt!“, berichtet die Forscherin. So hat das Hasen-Projekt-Team im vergangenen Jahr mehrere Hasen im Wald mit GPS-Sendern ausgestattet. Diese Hasen haben die Forschenden quasi mit in ihren Alltag im Wald genommen. Und die Ergebnisse lassen staunen.
Erkenntnis Nr. 1: Hasen im Wald nutzen riesige Gebiete
„Der Hase mit dem Spitznamen `Rammlerin´ hoppelt innerhalb eines Gebiets von 425 ha herum und ist somit neuer Rekordhalter, was die Größe einer so genannten Homerange, also einem Revier, angeht. Wahnsinn!“, erzählt Czaja begeistert. Zum Vergleich: Ein Standard Feldhase im Standard Offenland hat eine Homerange von ca. 60 bis 100 ha. Die bisher größte wissenschaftlich angenomme Homerage eines Feldhasen lag bei ca. 330 ha.
Das Gebiet durchstreift Rekordhalter `Rammlerin´ nicht täglich in Gänze, er wechselt viel mehr alle paar Tage die Sasse, also eine flache Vertiefung im Boden, die tagsüber als Rückzugsort dient. Entsprechend frisst der Hase nachts auch auf wechselnden Wiesen. Dieses Verhalten konnten die Hasenforschenden auch bei den anderen Hasen im Wald beobachten. Die Hasen im Wald nutzen ca. 30 verschiedene Sassen.
Erkenntnis Nr. 2: Hasen nutzen den eigentlichen Wald eher wenig
„Die Hasen machen nur selten querfeldein einen Ausflug. Sie nutzten eher die Forstwege“, berichtet Stefanie Czaja aus dem Projektteam. Dabei nehmen sie Umwege in Kauf, die das Vielfache der direkten Strecken betragen. Diese „Meidung“ des eigentlichen Waldes spiegelt sich auch im Verbiss, also den Fresspuren an jungen Bäumen, wieder. Sowohl in den Flächen im Wald als auch an den Wegen war nur sehr wenig Verbiss zu finden. „Gut für den Wald!“, freut sich die Hasenforscherin. „Es gab im Vorfeld die Befürchtung, dass die Hasen mehr Schaden im Wald anrichten als bisher angenommen und das konnten unsere Ergebnisse so bis jetzt nicht bestätigen.“
Babyhasen im Pfälzerwald…?
„In den GPS-Daten von der Häsin mit dem Spitznamen `Killerhäsin´ konnten wir ein Verhalten finden, das auf Nachwuchs hindeutet“, berichtet Czaja weiter. So bewegte sich die Häsin für drei Wochen jeden Abend zur ungefähr selben Zeit zum selben Punkt, verbrachte da eine halbe Stunde bis Stunde und bewegte sich wieder weg. Dabei nutze sie immer dieselben Wege hin und zurück. „Dieses Verhalten ist typisch für säugende Hasen“, erklärt Czaja. „Sie versuchen die Fährten zu den Junghasen so gering wie möglich zu halten, damit beispielsweise ein Fuchs den Nachwuchs nicht findet. Leider haben wir das Verhalten zu spät bemerkt, sodass wir vor Ort keinen Hinweis auf Nachwuchs mehr finden konnten.“
Tragischer Verlust von Häsin `Haselhoffin´
Doch so überraschend die Hasen sich vermehren, so plötzlich sterben sie auch. „2025 war das Glück bisher nicht auf unserer Seite“, erzählt Czaja. „Wir konnten nach mehreren Fehlversuchen nur einen Hasen erfolgreich fangen und mit einem GPS- Halsband besendern“. Die Freude war groß, als das Forschendenteam den Hasen als Weibchen identifiziert hat und somit die Hoffnung hatte, dieses Jahr Nachwuchs nachweisen zu können. Doch die Häsin mit dem Spitznamen `Haselhoffin´ wurde nur zwei Wochen nach der Besenderung tot aufgefunden oder besser das GPS-Halsband und Überreste von ihr. Sie wurde von einem Luchs gerissen, wie das KLUWO (Koordinationszentrum Luchs und Wolf) feststellen konnte. „Das war absolutes Pech“, ärgert sich die Wissenschaftlerin. „Erwachsene Feldhasen fallen nur selten anderen Tieren zum Opfer, da sie perfekt auf die Flucht ausgelegt sind. Die Chance, dass genau der eine Hase in dem über 170.000 ha große Pfälzerwald von einem Luchs erlegt wird, den wir besendert haben und dessen Sender noch läuft, geht so ziemlich gegen Null.“ So endet das erste Projektjahr zwar traurig, aber dennoch spannend. Und das Projekt selber geht ja noch weiter.
„Wir sind total gespannt, was wir über die Hasen im Wald noch alles herausfinden“, freut sich Czaja auf die kommenden Monate und Jahre. Und wer weiß… vielleicht finden die Forschenden ja auch noch das ein oder andere versteckte Osterei im Pfälzerwald.
Hintergrund:
Das Projekt rund um Feldhasen, die dauerhaft im Wald leben, geht noch bis Ende 2026 und ist teilfinanziert von der Sattelmühle-Stiftung. Es läuft im Forschungscluster Wildökologie (ForWild). Unter ForWild haben sich 2021 fünf wildökologische Forschungseinrichtungen der Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zusammengeschlossen. Neben der FAWF sind das die Wildforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg / Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW), die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und die Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement der Universität Freiburg.
Kasten:
Sie haben einen toten Feldhasen gefunden? Im gesamten Pfälzerwald oder im umliegenden Offenland? Geben Sie uns gerne Bescheid! In unserem Hasenprojekt untersuchen wir auch die Genetik von Feldhasen. Dafür benötigen wir die DNA von möglichst vielen Hasen.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Stefanie Czaja (Tel.: 06131 884268 247; Mail: stefanie.czaja(at)wald-rlp.de)
Jana Dietrich (Tel.: 06131 884268 132; Mail: jana.dietrich(at)wald-rlp.de)


