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Spiegel: „Daten über den Wald liefern wichtige Erkenntnisse für Waldmanagement und Waldpolitik“

„Wie entwickelt sich das Wachstum unserer Bäume? Welche Baumarten leiden unter dem Klimawandel? Wie attraktiv ist unser Wald als Lebensraum für unsere Tier- und Pflanzenwelt? Es ist wichtig, dass wir dazu aussagekräftige Daten haben“, sagte Klimaschutz- und Forstministerin Anne Spiegel heute bei der Begleitung eines Teams zur Erhebung von Daten für die Bundeswaldinventur (BWI), die Antworten auf diese Fragen liefert. Die BWI ist eine umfangreiche Erhebung von Daten über den Wald in ganz Deutschland – quasi eine Generalinventur der Wälder. Alle zehn Jahre erfasst die BWI den Wald in all seiner Vielfältigkeit und beschreibt diesen mit belastbaren Zahlen. Zwei Jahre dauert allein die Datenerhebung in den Wäldern. Dazu werden in einem systematischen 2x2km Raster an rund 8.500 Stichprobenpunkten im Wald von Rheinland-Pfalz rund 100.000 Bäume vermessen – egal ob sie dem Land, einer Kommune oder Privatleuten gehören. Insgesamt werden pro Stichprobenpunkt über 150 verschiedene Merkmale zum Wald erhoben. Das Thünen-Institut für Waldökosysteme gibt dafür im Auftrag des Bundes einheitliche Aufnahmemethoden vor. Erstmals werden bei der vierten Inventur dieser Art auch genetische Proben an den Hauptbaumarten zur Erfassung der genetischen Vielfalt gewonnen. Eine breite genetische Ausstattung ist auch für die Anpassungsfähigkeit unserer Wälder an künftige Klimaentwicklungen von zentraler Bedeutung.

Landesforsten Rheinland-Pfalz setzt für die Inventur ausgebildete Expertinnen und Experten ein. Diese sind mit spezieller Technik ausgestattet: Vom einfachen Maßband bis zu hochmodernen satellitengestützten Positionsbestimmungssystemen. Mit einem Maßband erfassen sie z. B., wie stark ein Baum in die Breite gewachsen ist oder mit Hilfe von Ultraschall, wie sich die Höhe des Baumes verändert hat.

Durch die umfangreiche Erfassung dieser Merkmale und dem Vergleich zu den Erhebungen der letzten Bundeswaldinventur können auf Bundes- und Landesebene dann Aussagen zur Menge des im Wald vorhandenen Holzvorrates sowie zum Wuchs der einzelnen Baumarten abgeleitet werden. Vitale und wuchskräftige Bäume sind wichtig für den Klimaschutz, denn sie speichern in ihrem Holz klimaschädliches Kohlenstoffdioxid. Das macht in Rheinland-Pfalz rund ein Fünftel aller Treibhausgas-Emissionen aus. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Forstleute den Wald erhalten und der Natur helfen. Zum Beispiel indem sie auf Mischwälder setzen, um sie widerstandsfähiger gegen Dürre, Stürme und Schädlinge zu machen“, so Spiegel weiter und ergänzte: „Die letzte Bundeswaldinventur hat ergeben, dass Rheinland-Pfalz bereits über 82 Prozent Mischwaldanteil verfügt. Diesen Weg gehen unsere Försterinnen und Förster mit den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis weiter, damit die Bäume von heute auch morgen noch eine Zukunft haben. Ich möchte, dass auch unsere Enkelkinder von den Leistungen des Waldes profitieren: dass der Wald ihnen saubere Luft und sauberes Wasser sowie Erholung vom Alltag schenkt.“

Daneben erhebt die Bundeswaldinventur auch Informationen darüber, wie attraktiv der Wald als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Insektenarten ist. Hierfür werden besonders wertvolle Lebensraum-Strukturen wie Specht- und Fledermaushöhlen an stehenden Bäumen sowie das Vorkommen von sich natürlich zersetzendem Totholz am Waldboden dokumentiert.

Hintergrund:

Die Erhebung begann im Frühjahr dieses Jahres und dauert bis Ende 2022 an. Die Ergebnisse werden unter bundeswaldinventur.de <https://bundeswaldinventur.de/>  frei zugänglich sein. Sie liefern ein aussagekräftiges Bild der Wälder auf Bundes- und Landesebene. Damit stellen sie eine verlässliche Grundlage für waldwirtschaftliche und waldpolitische Entscheidungen bereit – als Grundlage für einen zukunftsorientierten und verantwortungsvollen Umgang mit unseren Wäldern.

Anders als die Bundeswaldinventur, die alle zehn Jahre stattfindet, werden die Daten zum Waldzustandsbericht in Rheinland-Pfalz durch die sogenannte Waldzustandserhebung jährlich erhoben. Beim Waldzustandsbericht geht es vor allem um den Gesundheitszustand der Bäume. Die Datenmenge ist hier kleiner. Er erscheint immer am Jahresende und gibt unter anderem Aufschluss darüber, wie viele Bäume durch die Auswirkungen der Klimakrise, durch Luftschadstoffe und Forstschädlinge geschwächt sind.