Waldnachrichten © Anton - stock.adobe.com

© Anton - stock.adobe.com

© Anton - stock.adobe.com

 

Gemeinsame Waldschutz-Strategie für den Hunsrück

Landesforsten Rheinland-Pfalz und Nationalpark Hunsrück-Hochwald arbeiten im „Lagezentrum Borkenkäfer“ zusammen

Bilder wie wir sie aus dem Westerwald seit vier Jahren kennen stehen uns 2023 möglicherweise auch im Hunsrück bevor: Große Fichtenwälder, die aufgrund von Borkenkäferbefall absterben. Die Klimakrise frisst sich durch den Wald in Rheinland-Pfalz und erreicht nach und nach auch die höheren Lagen und kühleren Regionen. Landesforsten Rheinland-Pfalz hat nun ein „Lagezentrum Borkenkäfer“ für den Hunsrück eingerichtet. Das Ziel: Eine Waldschutz-Strategie, die Zeit schafft für die Waldentwicklung. Denn die Forstleute wollen die Fichtenbestände zu klimaresilienteren Mischbaumbeständen weiterentwickeln.

Im „Lagezentrum Borkenkäfer“ arbeiten Experten aus Waldschutz, Technik und Vertrieb mit fünf Forstämtern von Landesforsten Rheinland-Pfalz sowie dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald zusammen, um eine gemeinsame Waldschutz-Strategie über Forstamts- und Nationalparkgrenzen hinaus zu erarbeiten. Hier fließen alle Informationen über die Befallsentwicklung und den Aufarbeitungsstand zusammen. Basierend darauf können schnell Entscheidungen getroffen und das Vorgehen an die Lage angepasst werden.

Die Überlegungen der Forstfachleute basieren auf drei möglichen Szenarien des Käferbefalls. Das Ausmaß des Schadens ist dabei abhängig von nicht unmittelbar beeinflussbaren Faktoren wie Temperaturen und Niederschlag sowie kontrollierbaren Faktoren wie dem Monitoring und der Steuerung der Aufarbeitungsmaßnahmen. Im besten Szenario nimmt die Käferholzmenge im Vergleich zum Vorjahr ab, im schlechtesten Szenario kommt es zum großflächigen Absterben von Fichtenwäldern. „Für alle Fälle müssen wir vorbereitet sein“, sagt Jan Rommelfanger, der die Entwicklung der Strategie im Lagezentrum koordiniert.

Walderhalt ist oberstes Ziel

Die sofortige Noternte, Aufarbeitung und der Abtransport befallener Bäume aus dem Wald sind notwendig, um eine weitere Ausbreitung und das überproportionale Wachstum der Käferpopulationen von Generation zu Generation im Laufe des Jahres zu verhindern. Große Kahlflächen sollen verhindert werden. Nur so können die Forstleute zum einen Zeit gewinnen, um den Wald zu erhalten und hin zu mehr Klimaresilienz durch die Förderung von Mischbaumbeständen zu entwickeln und ökologische Nachteile, etwa Erosion zu verhindern. Zum anderen kann durch Maßnahmen die Nutzung des Käferholzes verzögert werden, um Umsatzeinbußen für Land, Kommunen und Privatwaldbesitzer durch einen möglichen Preisverfall wegen Überangebotes gering zu halten.

Damit das gelingt werden schon jetzt zusätzliche Kräfte gesucht, so dass befallene Bäume rechtzeitig erkannt und aufgearbeitet werden können. Dabei müssen die Forstleute schnell sein, bevor die neue Käfergeneration aus den befallenen Bäumen ausfliegen kann. „Je nach Witterung haben wir nur sechs bis acht Wochen Zeit, bevor sich aus den abgelegten Eiern neue Käfer entwickelt haben“, gibt Peter Wind, Leiter des Lagezentrums, zu Bedenken.

Zusammenarbeit zwischen Nationalpark und Landesforsten

Das gemeinsame Vorgehen der Hunsrück-Forstämter mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald stellt eine Zusammenführung unterschiedlicher Vorgehensweisen in eine gemeinsame Strategie dar. Im Zentrum des Nationalparks verbleiben befallene Fichten im Wald. Hier kann beobachtet werden, wie sich solche Störungsflächen ohne Eingreifen des Menschen weiterentwickeln. In den Randbereichen des Nationalparks finden weiterhin Maßnahmen zum Schutz angrenzender Wälder statt. Dies ist Teil der regionalen Gesamtstrategie zum Schutz der Wälder.