Waldnachrichten © stock.adobe.com / Anton

© stock.adobe.com / Anton

© stock.adobe.com / Anton

 

Bundeswaldinventur 2004

Rheinland-pfälzische Wälder: ökologischer und ökonomischer Wertzuwachs

In Rheinland-Pfalz wachsen 143.897.488 Bäume. Das ist ein Ergebnis der heute veröffentlichten zweiten Bundeswaldinventur, ein weiteres Resultat: In Rheinland-Pfalz ist der naturnahe Waldbau zunehmend erfolgreich. Die Holzvorräte haben zugenommen, ebenso die Vielfalt bei den Baumarten.

 Umwelt-Staatssekretär Hendrik Hering: „Die Ergebnisse des Bundesvergleichs zeigen: Rheinland-Pfalz liegt an einer Spitzenposition. Unsere Wälder sind wertvoller geworden, ökologisch und ökonomisch.“

Rheinland Pfalz bleibt, gemessen an seiner Fläche, deutscher Waldmeister: 42,1 Prozent des Landes gehören dem Wald. In Rheinland-Pfalz gibt es im Bundesvergleich die meisten Laubwälder und die größten Eichenwald-Flächen. Addiert man alle rheinland-pfälzischen Waldränder im Land, so ziehen sich diese mit 45.170 Kilometern mehr als ein Mal um die Erdkugel.

Die Waldinventur bietet die Grundlage für wichtige Zukunftsentscheidungen, weil sie einen Überblick über die Menge und die Qualität des Holzes für die nächsten Jahrzehnte gibt. Das ist zum Beispiel für die Holzindustrie wichtig, wenn es um Investitionsentscheidungen geht. In Rheinland-Pfalz sind die Holzvorräte in den letzten 15 Jahren um rund 22 Prozent gestiegen. Hering: „Dieser sichtbare Erfolg zeigt, dass wir unsere Verpflichtung zur nachhaltigen Bewirtschaftung mehr als eingehalten haben. Der Begriff der Nachhaltigkeit, der aus der Forstwirtschaft kommt, wird hier greifbar.“

Für die rheinland-pfälzische Bestandsaufnahme, die in die heute gleichfalls veröffentlichte Bundeswaldinventur eingeht, wurden über sechs Monate lang von acht Mitarbeitern der Landesforsten mehr als 8.400 Stichproben erhoben. Das in Rheinland-Pfalz zugrunde gelegte Untersuchungsraster war mit zwei mal zwei Kilometern kleiner und damit genauer als im übrigen Deutschland (vier mal vier Kilometer). Auf jeder dieser Stichproben-Flächen im Wald wurde gezählt, gemessen und untersucht, um anschließend zu Hochrechnungen zu gelangen.

Erstmals war der Wald 1987 inventarisiert worden, die jetzt vorliegenden Daten wurden 2002 erhoben.

Aus den aktuellen Ergebnissen:


Die rheinland-pfälzische Waldfläche ist seit 1987 auf 835.558 Hektar angewachsen, das entspricht eine Zunahme von 2,8 Prozent. Die Bestandsaufnahme stellt dar, dass das Ziel einer naturnahen Waldbewirtschaftung auf einem guten Weg ist. Es besteht darin, Monokulturen nach und nach in artenreicheren Mischwald umzuwandeln: Gegenüber 1987 hat sich der Anteil der Mischwälder um 17 Prozent auf insgesamt 79 Prozent erhöht (im Bundesdurchschnitt nur 73,2 Prozent).

In Rheinland-Pfalz wachsen auf 56 Prozent der gesamten Waldfläche Laubwälder; das ist der höchste Wert in Deutschland. Mit 144.388 Hektar hat Rheinland-Pfalz deutschlandweit sogar die größte Fläche an Eichenwald. Außerdem gibt es in Rheinland-Pfalz die meisten Douglasien (48.197 Hektar), die wirtschaftlich sehr bedeutsam sind, da sie besonders schnell wachsen und ihr Holz hohe Preise erzielt. Am häufigsten ist jedoch die Buche in den Wäldern des Landes zu finden (175.275 Hektar). Die Buche ist die Baumart, die von Natur aus auf der überwiegenden Fläche verwurzelt ist.

Hering: „Die genetische Vielfalt in unserem Wald hat sich vergrößert und das ist ein Vorteil, wenn man die Belastung des Waldes etwa durch heiße Sommer und Trockenheit, durch Schadstoffausstoß, Käferbefall oder andere Faktoren bedenkt. Diese Vielfalt und der gewachsene Anteil an Bäumen, die auch höhere Temperaturen leichter vertragen, bedeuten ein Stück Zukunftssicherheit angesichts globaler Veränderungen des Klimas.“

Holz gewinne darüber hinaus im Land immer größere Bedeutung, sagte Hering: „Holz ist ein idealer Baustoff. Holz eignet sich dank moderner Systeme zum Heizen auch von Wohnanlagen oder Großbetrieben. Holz ist einer unserer wichtigsten Rohstoffe, weil er vor unserer Haustür nachwächst.“ Dabei biete der Wald für die Menschen hohen Freizeitwert und er sei die nachwachsende Basis für eine erfolgreiche Klimaschutz-Politik.

Die Daten geben auch Aufschluss über die Verteilung des rheinland-pfälzischen Waldes: 46,7 Prozent gehören den Gemeinden, 26,5 Prozent sind in privater Hand, 24,3 Prozent sind rheinland-pfälzischer Staatswald und 2,4 Prozent unterstehen dem Bund.

Hering: „Fast Dreiviertel des Waldes sind Gemeinde- und Landeswald. Ein großer Vorteil ist unser Gemeinschaftsforstamt, welches sich – unabhängig vom Besitzstand – um Forstwirtschaft, Umweltbelange oder Waldpädagogik kümmert. Hier ergeben sich vielfältige Synergieeffekte bei der Bewirtschaftung und Planung, weil betriebsübergreifend und flächendeckend kompetente Ansprechpartner in der Region zur Verfügung stehen.“

Der Wald ist Lebensraum einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Weil diese Tatsache immer mehr Menschen interessiert, wurden erstmals auch Daten zur Einschätzung der Qualität des Lebensraumes Wald erhoben. Erfasst wurde dabei auch sogenanntes „Totholz“, abgestorbene Äste und Baumstümpfe, die das Zuhause vieler Waldtiere darstellen. Auch der Anteil der Waldgesellschaften, also die natürliche Zusammensetzung der Baumarten wie sie ohne menschlichen Einfluss entstünden, wurde erfasst und mit dem aktuellen Waldzustand verglichen. Diese Erhebungen sind die Basis für Datenvergleiche bei zukünftigen Waldinventuren.

Es ist beabsichtigt, auf Basis der neuen Waldinventur gegen Ende des Jahres eine Prognose der zukünftigen Holzerntemöglichkeiten zu veröffentlichen. Diese Zahlen geben der Holzindustrie wichtige Hinweise, mit welcher Versorgung von Holz gerechnet werden kann und was getan werden muss, um diese nachhaltig nutzbaren Potentiale zu erschließen.


Die Daten des Inventurberichtes werden in Kürze in die Internet-Seiten des Ministeriums für Umwelt und Forsten www.muf.rlp.de und von Landesforsten www.wald-rlp.de eingestellt.

Den Kurzbericht können Sie an dieser Stelle herunterladen (PDF-Dokument mit 1,26 MB)!