Forstwirtschaft im Stadtwald Kirn: Sicherheit durch Technik und Vorsicht

Der Kirner Stadtwald leistet viel: Er ist Lebensraum für Tiere, ist Naherholungswald, ist Schutzwald und nicht zuletzt ist er auch Holzproduzent und anspruchsvoller Arbeitsplatz. Wald nur als die Summe der Bäume zu sehen, greift zu kurz. Entsprechend geht es um mehr als nur Bäume zu fällen, wenn Johannes Gödert, Förster im Stadtwald, und Klaus Günter, Leiter der Holzproduktion am Forstamt Bad Sobernheim, einen Holzeinschlag planen: Es geht auch um Sicherheit für den Menschen, Naturschutz  und Naherholung.

Den Holzeinschlag in der Abteilung 8 des Kirner Stadtwaldes haben Johannes Gödert und Klaus Günter für die Zeit um Weihnachten geplant. Weihnachtsferien im Forst fallen regelmäßig kurz aus, denn der Winter ist Hochsaison im Wald. Ohne Laub können Bäume nämlich risikofreier gefällt werden. Weniger Risiko, andere Bäume zu beschädigen; weniger Risiko für die Forstwirte, sich zu verletzen. Außerdem hoffen die beiden Forstleute auf Frost, denn dann lassen sich die Bäume bodenschonend an den Weg ziehen, „Rücken“ wie es die Forstleute nennen.

Bevor aber die Säge anläuft, bedarf es einer sorgfältigen Planung. Im Auftrag der Stadt Kirn organisieren die beiden Förster vom Forstamt Bad Sobernheim in der Abteilung 8 einen Einschlag von rund 150 Holz. Soviel Holz ist seit der letzten Hiebsmaßnahme nämlich nachgewachsen. Später wird das Holz überwiegend als Brennholz lokal verkauft, das wertvollere Eichen-Stammholz geht hingegen zu Sägewerken im ganzen Land. Die Absatzmöglichkeiten spielen eine gewichtige Rolle bei der Planung. Weitere Aspekte der Planung sind die ökonomische und ökologische Weiterentwicklung des Bestandes. Beispielsweise wird überlegt, welche gut veranlagten Bäume gefördert werden sollen. Diese sind nämlich die ökonomischen Zukunft des Bestandes. Ökologisch steht der Schutz von Habitatbäumen ganz oben, so sind Spechtbäume zu schonen. Diese beiden Planungsaspekte sind Tagesgeschäft. Schließlich ist es Ziel, durch eine nachhaltige Holznutzung ökonomische wie ökologische Waldwerte zu bewahren.

Die Herausforderungen der Abteilung 8 sind aber nicht alltäglich: Zum einen liegt der Waldbestand oberhalb der B41, etwa auf Höhe der Berufsschule. Ein falscher Fäll-Schnitt und der Baum kracht auf die wichtigste Verbindungsachse des Nahe-Tals. Dies gilt es unbedingt zu vermeiden. Daher werden alle Bäume, die für die Bundesstraße gefährlich werden könnten, mit einer speziellen Technik gefällt: Statt wie sonst üblich, setzen die Forstwirte den Fällschnitt unterhalb des Fallkerbs an. Dadurch fällt der Baum nicht einfach um. Vielmehr bleibt er stabil stehen und kann dann von einem starken Forstschlepper per Seilwinde sicher in die gewünschte Richtung umgezogen werden. Das Verfahren ist zwar teurer, aber wesentlich sicherer. Und darauf kommt es Johannes Gödert und Klaus Günter an. Dennoch sehen die beiden ein Restrisiko für den Verkehr auf der Bundesstraße: abbrechende und umherfliegende Äste. Daher planen sie den Sicherheitsabstand zum fließenden Verkehr zu vergrößern. Dazu muss die Fahrspur in Richtung Bad Kreuznach verengt werden. Ärgerlich für den Berufsverkehr, dessen sind sich die beiden bewusst. Daher wird die Straße während der Hauptverkehrszeiten nicht verengt. Auch nachts bleibt die Straße frei. Auf die Sperrung ganz zu verzichten, ist im Sinne der Sicherheit jedoch nicht möglich. Das sieht auch die Straßenverwaltung so und genehmigt die Verkehrsregelung.

Etwas einfacher ist die Hiebsplanung unter dem Aspekt Naherholung: Zum einen möchte Johannes Gödert den Blick auf die Bismarcksäule freistellen. Zum anderen werden die Wirtschaftswege nur dann gesperrt, wenn es absolut notwendig ist – die Kirner sollen den Weg in ihren Kirner Wald möglichst nicht versperrt bekommen. Mit Blick auf den ungestörten Waldspaziergang werden auch die Spuren der Holzernte nach Abschluss des Hiebes beseitigt. Der Wirtschaftsweg wird dann wieder zum Wanderweg. Für Gödert ist es eine Selbstverständlichkeit, dass er bei seiner Arbeit die Aspekte der Naherholung berücksichtigt.

„„Wald.Werte.Wahren.“ ist der Slogan von Landesforsten RLP. Genau dies möchte ich auf vielen Ebenen erreichen. Seien es nun ökologische und ökonomische Aspekte oder auch die Belange der Naherholung. Das ist meine Verantwortung gegenüber der Stadt Kirn als Eigentümerin.“ so Gödert. „Das Schöne an meinem Job ist, dass durch eine gute Planung und den Einsatz der richtigen Technik soviel bewirkt werden kann.“