Ringelnatter © Landesforsten.RLP.de / Jonathan Fieber

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Die Ringelnatter (Natrix natrix)

In Rheinland-Pfalz wurden bisher nur 4 Schlangenarten nachgewiesen. Alle vier gehören zu den Nattern und sind für den Menschen harmlos: Schlingnatter, Würfelnatter und zwei Unterarten der Ringelnatter. Die Ringelnatter ist unsere häufigste einheimische Schlangenart und kann recht oft beobachtet werden. In manchen Gegenden glaubten die Menschen früher sogar, dass Ringelnattern Haus, Vieh und Kinder beschützen und Segen bringen.

 

Aussehen

Wie alle Nattern hat die Ringelnatter recht große Augen mit runden Pupillen und große Schuppenschilde auf dem Kopf. Die Ringelnatter von anderen Nattern-Arten zu unterscheiden, ist recht einfach: Sie trägt weiße bis gelbliche Halbmondflecken am Hinterkopf, die fast aussehen wie ein Kragen. Das kann man auch von Weitem oft gut erkennen. Die Färbung des restlichen Körpers kann stark von bräunlich bis hin zu fast schwarz variieren. Die Oberseite des Körpers ist in der Regel gräulich mit mehreren Reihen dunkler Flecken. Die Unterseite ist weißgrau. Die gekielten Schuppen auf dem Rücken identifizieren Ringelnattern als Wassernattern. Dieses Merkmal unterscheidet sie von den Glattnattern, zu denen zum Beispiel die Schlingnatter gehört.

Weibliche Ringelnattern können bis zu 120cm lang werden, Männchen bleiben etwas kleiner. Aber natürlich fangen alle Schlangen mal klein an und müssen sich für ihr Wachstum regelmäßig häuten.

Eine jüngst entdeckte Unterart der gewöhnlichen Ringelnatter, die Barren-Ringelnatter, zeichnet sich durch deutliche Längsflecken an der Körperseite aus, gleicht der Ringelnatter aber sonst in Aussehen und Verhalten.

Verhalten

Wie alle Schlangen-Arten, die in Rheinland-Pfalz nachgewiesen sind, ist die Ringelnatter für den Menschen völlig ungefährlich. Auch untereinander sind die Nattern friedfertig. Selbst wenn sie vom Menschen bedroht werden, sind ihre Verteidigungsstrategien: Täuschen, Tauchen, Totstellen. Die erste Wahl ist immer die Flucht ins Gebüsch oder in das nächste Gewässer. Wird die Flucht vereitelt, macht die Schlange sich größer, als sie ist, und deutet Scheinangriffe an. Wenn sie gepackt wird, kann sie ein übelriechendes Sekret ausstoßen. Und wenn alles nichts hilft, verdreht sie dramatisch ihren Körper und lässt die Zunge aus dem geöffneten Maul hängen, als sei sie soeben verendet.

Als Schwimmnatter hält die Ringelnatter sich meist in Gewässernähe auf. Die Körpertemperatur wird über wahlweises Aufsuchen von warmen oder kalten Orten reguliert. Das können zum Beispiel von der Sonne aufgeheizte Steine oder das kühle Wasser sein.

Der kalte Winter wird in Winterruhe verbracht. Dazu begeben sich die Schlangen meist in Massenquartiere an Waldrändern oder in warmen Komposthaufen. Auch Baumhöhlen, Baue von Kleinsäugern, oder Steinhaufen können geeignet sein. Die Winterruhe beginnt zwischen September und Oktober. Anfang April werden die Quartiere wieder verlassen.

Lebensraum

Die Verbreitung der Ringelnatter reicht bis zu 2.000 m Höhe und erstreckt sich weit in den Osten hinein. Sie besiedelt Feuchtgebiete, Sümpfe, Bäche, Seen und Tümpel. Um der Lebensweise der Nattern zu entsprechen, sollten diese Biotope Möglichkeiten zur Thermoregulation (also Sonnenplätze), trockene Winterquartiere und warme Eiablageplätze bieten. Diese vielfältigen Ansprüche fordern besonders strukturreiche Lebensräume.

Nahrung

Ringelnattern ernähren sich je nach ihrer Körpergröße von Fröschen, Kröten, Molchen, Kaulquappen, kleinen Fischen und bei Gelegenheit auch Mäusen und Schnecken. Eben von allem, was sich in ihrem gewässernahen Lebensraum so finden lässt. Oft folgen die Nattern sogar Amphibienpopulationen auf deren jährlichen Wanderungen nach.

Vermehrung

Etwa im April beginnt die Partnersuche bei den Ringelnattern. Dabei werden die Weibchen von mehreren Männchen umworben. Die Trächtigkeit zieht sich bis Juli oder August. In dieser Zeit werden die Weibchen immer träger und sonnen sich viel. Zur Eiablage wählen sie dann bevorzugt Orte, die Wärme verströmen, zum Beispiel Plätze, an denen organisches Material verrottet. Das kann ein Komposthaufen sein oder ein Misthaufen oder einfach ein modernder Baumstumpf. Aus den 10 bis 30 ca. 3cm großen Eiern eines Geleges schlüpfen zwischen August und September viele etwa 20cm lange Schlangen, die bereits voll entwickelt und auf sich allein gestellt sind. Die Brutzeit schwankt je nach Temperatur zwischen 4 und 10 Wochen. Ringelnattern können bis zu 25 Jahre alt werden. Ganz schön beeindruckend!

Gefährdung

Natürliche Feinde hat die Ringelnatter viele. Als nicht wehrhafte Schlange ist sie leichte Beute für Greifvögel, Reiher, Katzen, Füchse und Marder. Doch über Fressfeinde hinaus ist der wichtigste Faktor, der ihr das Leben schwermacht, der Mensch. Oft werden Ringelnattern bei Wanderungen durch ihren Lebensraum zu Verkehrsopfern. Feuchtgebiete mussten häufig Siedlungsbau und Flurbereinigung weichen oder wurden durch Gewässerausbau entwertet. Heute besinnt man sich vielerorts auf die ökologische Bedeutung von Feuchtstandorten und schafft neue strukturreiche Lebensräume, renaturiert Gewässer und schützt bestehende Feuchtgebiete. Wenn den Ringelnattern etwas Gutes getan werden soll, können zusätzlich Aufwärm- und Versteckmöglichkeiten geschaffen werden. In naturnahen Gärten können Eiablagemöglichkeiten künstlich angelegt werden.

Nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung genießt die Ringelnatter besonderen Schutz. Das bedeutet, sie darf nicht gefangen oder verletzt werden und auch ihre Gelege dürfen weder entnommen, noch beschädigt werden. Die Nattern dürfen nicht in einem Maße gestört werden, das den Zustand der lokalen Population verschlechtert.