Wölfe leben in komplexen Familienstrukturen © Landesforsten.RLP.de / Hansen / Lamour

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Unser derzeit umstrittenster Rückwanderer. Von den einen als Symbol wilder Ursprünglichkeit, Kraft, Ausdauer und Intelligenz nahezu verherrlicht. Von anderen als Bedrohung für die eigene Lebensgrundlage sowie als Mörder verdammt. Kaum ein Tier hat die "deutsche Seele" derart polarisiert wie der Wolf.

Das inzwischen wieder in Deutschland beheimatete größte hundeartige Raubtier war circa 100 Jahre in Deutschland praktisch ausgestorben. In Rheinland-Pfalz wurde der letzte Wolf im Jahr 1879 im Hunsrück geschossen. Derzeit beobachtet man auch in Rheinland-Pfalz wieder eine steigende Zuwanderungsaktivität insbesondere aus dem Osten Deutschlands und Europas aber auch aus Italien und Spanien.

Seit 2014 wurde der Wolf in das landesweite Monitoring der Großkarnivoren integriert, das von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) landesweit durchgeführt wird. Es liefert Erkenntnisse zu Vorkommen und Verbreitung des Wolfes und stellt eine wichtige Grundlage für Schutz und Management dieser bedrohten Tierart dar. Weitere Informationen finden Sie unter fawf.wald.rlp.de

 

Verhalten

Wölfe leben sozial in Familienverbänden. Die Größe des Rudels variiert je nach Beutesituation und Jahreszeit. Die Rangfolge im Rudel ist hierarchisch, wobei die Hierarchie in aller Regel aus der natürlichen Autorität der Elternrolle entsteht. Geschlechtsreife Rüden werden vom Eltern-Rüden vertrieben, was zu den für Jungwölfe typischen und teilweise sehr weiten Wanderungen führt. Vorangetrieben durch dieses Phänomen findet auch derzeit eine Wiederbesiedelung Deutschlands statt. Wenn Kämpfe auch zum Wolfsleben gehören ist es durchaus nicht so, dass sie permanent stattfinden. Wenn sie vorkommen, dienen sie dazu, das Rudelleben zu regeln und zu befrieden. So muss beispielsweise bei der Beuteverteilung nicht jedes Mal viel Energie darauf verwendet werden festzulegen, wer wann frisst. Oftmals genügen kurze Drohgebärden, subtile Körpersprache oder gar die erwähnte natürliche Autorität der Elterntiere, um eine Situation zu klären. Mit durchziehenden Wölfen oder benachbarten Rudeln zu kann es hingegen durchaus zu Revierkämpfen kommen.

Körpermerkmale

Der bei uns vorkommende Eurasische Wolf bietet durchaus in Fellzeichnung und Körperabmessungen eine gewisse Spreite. In aller Regel sind Wölfe jedoch größer und schwerer als unser vom Aussehen dem Wolf am nächsten kommenden Hund, der Deutsche Schäferhund.

Maximal wiegt ein Wolf 50 Kilogramm, ist 80 Zentimeter hoch (Stockmaß) und 140 Zentimeter lang (Schnauzenspitze bis Schwanzwurzel). Fähen (weibliche Wölfe) sind durchweg kleiner. Der Habitus mutet quadratisch an: Die Rückenlinie ist gerade. Die Läufe stehen unter dem Tier. Der Schwanz ist kürzer als beim Schäferhund und buschig. Seine vergleichsweise langen Beine beschleunigen Isegrim auf kurzen Strecken auf bis auf 60 km/h.

Die Sinne des Wolfes sind sehr gut entwickelt. Insbesondere das Sehvermögen bei Dunkelheit ist besser ausgebildet als beim Menschen. Erkauft wird diese Eigenschaft mit einem verminderten Farbsehvermögen. Noch stärker ist die Leistung seines Gehörs, welches Geräusche aus mehreren Kilometern Entfernung wahrnehmen kann und bis in den hochfrequenten Bereich hineinreicht. Sie hören, ähnlich Fledermäusen, also auch Töne, die jenseits des vom menschlichen Ohr wahrnehmbaren Bereichs von 16.000 bis 20.000 Hertz liegen. Das vielleicht sensibelste Organ ist seine Nase. Die Angaben der Fachliteratur differieren hier schon mal gerne zwischen 1.000-mal besser als der menschliche Geruchsinn (bis zu 1.000.000-mal besser). Irgendwo dazwischen dürfte die Wahrheit liegen.

Sein Fell schützt den Wolf selbst bei Temperaturen von unter minus 40 Grad Celsius.

Nahrung

Wölfe sind echte Nahrungsgeneralisten was bedeutet, dass Sie im Rudel alles jagen, was sie überwältigen können. Das bei uns größte jagdbare Wild, der Rothirsch stellt für ein eingespieltes Rudel eine veritable Beute dar. Es werden aber durchaus auch Kleinstsäuger wie Mäuse und in Nordeuropa und Nordamerika sogar Elche und Bisons erbeutet. Selbst Aas wird nicht verschmäht. Und auch Früchte spielen in der Ernährung von Wölfen eine gewisse Rolle. Bedauerlicherweise gibt es auch immer wieder Übergriffe auf Weidenutzvieh. Als echter Prädator und Endglied der Nahrungskette betrachten ihn die meisten Wissenschaftler als Schlüsselspezies, also eine Art, die starken Einfluss nicht nur auf Beutetiere, sondern auf den gesamten Lebensraum nimmt.

Paarungszeit

Im Durchschnitt werden Wölfe mit zwei bis drei Jahren Geschlechtsreif. Die Paarungszeit liegt in unseren Breiten von Januar bis März, wobei die eigentliche Empfängnisbereitschaft einer Fähe nur wenige Tage bis zu einer Woche beträgt. Die Tragzeit beträgt neun Wochen.

Geburt und Aufzucht der Jungen

Geboren werden die durchschnittlich vier bis sechs Welpen in einem Erdbau, einer Höhle, unter Wurzeltellern oder ähnlichen bauartigen Strukturen. Gesäugt wird sechs bis acht Wochen. Danach erhalten die Welpen zunehmend vorverdaute Fleischkost, wobei Bettelverhalten der Jungen das Auswürden des Fleischbreis seitens der Alttiere auslöst. Findet eine Störung am Bau statt, bringt die Wölfin die Welpen in ein Ausweichquartier.

Lebenserwartung

Werden Wölfe nicht im Welpenalter von anderen Beutegreifern (z.B. Adler, Luchs) geschlagen und entgehen sie auch in ihrem weiteren Leben dem Verkehr unseres dichten deutschen Straßennetzes sowie sonstiger Nachstellungen seines Lebensraumkonkurrenten Mensch, kann er in freier Wildbahn durchaus zehn bis 14 Jahre alt werden. Dabei ist der Wolf in gesamt Deutschland durch den Paragraphen 44 BNatschG streng geschützt. Eine Zuwiderhandlung kann je nach Schweregrad mit mehrjährigen Freiheitsstrafen oder hohen Geldbußen geahndet werden. In Rheinland-Pfalz unterliegt der Wolf derzeit nicht dem Jagdrecht.