Würfelnatter (Natrix tessellata) © stock.adobe.com - ©bwagner

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In Rheinland-Pfalz wurden bisher nur 4 Schlangenarten nachgewiesen. Alle vier gehören zu den Nattern und sind für den Menschen harmlos: Schlingnatter, Würfelnatter und zwei Unterarten der Ringelnatter. Die seltenste der heimischen Schlangen ist die Würfelnatter. Obwohl sie in Südeuropa ein recht großes Verbreitungsgebiet aufweist, kommt sie in Deutschland nur noch an drei Populationsstandorten vor – und alle drei liegen bei uns in Rheinland-Pfalz! Damit haben wir Rheinland-Pfälzer eine ganz besondere Verantwortung für die kleinen Vorkommen an Lahn, Mosel und Nahe.

Aussehen

Erkennen kann man die Würfelnatter schon an ihrem schmalen, spitz zulaufenden Kopf mit den weit oben sitzenden Augen. So kann die Schlange beim Schwimmen einfacher aus dem Wasser blicken. Die Pupillen sind nattern-typisch rund. Anders als die Ringelnatter, hat die Würfelnatter keinen hellen Nackenfleck, dafür aber die namensgebende „Würfel“-Zeichnung auf dem Rücken mit mehreren Reihen quadratischer Flecken. Die Körperunterseite ist ebenso gefleckt, aber in ihrer Grundfarbe heller als die grau, braun oder olivfarbene Oberseite. Die Rückenschuppen sind stark gekielt – ein klares Kennzeichen einer Wassernatter. Weibliche Schlangen werden in Deutschland maximal einen Meter lang, die Männchen bleiben etwas kleiner.

Lebensraum und Verhalten

Während Ringelnattern in ihrer Lebensraumwahl von Feuchtwiesen über Teiche bis hin zu Auelandschaften recht flexibel sind, sind Würfelnattern noch intensiver an Gewässer gebunden. Die meiste Zeit des Tages wird im Wasser verbracht, nur unterbrochen durch gelegentliche Sonnenbäder am Ufer. Als Lebensräume kommen nur warme und sonnenbeschienene Flüsse in Frage, möglichst mit flachgründigen Abschnitten, die sich schnell aufheizen und Jungfische als Nahrungsgrundlage beherbergen. Strukturreiche Uferzonen mit Kiesbänken zum Sonnen sind optimal. Für die Winterruhe ab Oktober werden in Ufernähe Trockenmauern, Felsspalten, Blockschutthalten und ähnliche Winkel genutzt. Dort harren oft mehrere Schlangen gemeinsam aus, bis Ende April der Frühling wieder Einzug hält.

Bei Bedrohung versucht die Würfelnatter ihr Gegenüber durch Zischlaute, übelriechendes Sekret oder Totstellen von ihrer Gefährlichkeit und Ungenießbarkeit zu überzeugen. Aber keine Sorge: Alles nur Theater. Gefährlich ist die Würfelnatter nicht.

Nahrung

Bei der Jagd ist die Methode der Wahl das Auflauern am Gewässergrund. Schwimmt ein unachtsamer Fisch in passender Größe vorbei, wird er durch rasches Zupacken erbeutet. Neben dieser äußerst energiesparenden Methode wird gelegentlich auch aktiv nach Beute gestöbert.

Vermehrung

Nach der Paarungszeit im Mai und Juni werden von den Weibchen 5 bis 25 Eier in Gewässernähe an Trockenmauern, Treibgutansammlungen oder im Sand abgelegt. Nach zwei Monaten schlüpfen dort ca. 20 cm lange, fertig entwickelte Jungschlangen.

Gefährdung

In Deutschland gilt die Würfelnatter als vom Aussterben bedroht. Die kleinen verbleibenden Vorkommen mit nur wenigen hundert erwachsenen Tieren benötigen strengen Schutz.

Im Anhang IV Art der FFH-Richtlinie (also nach EU-Recht) gilt die Würfelnatter als „streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse“ und nach Bundesnaturschutzgesetz als „streng geschützte Art“. Das Stören, Verletzen oder Töten der Tiere und sogar das Schädigen ihrer Lebensräume sind damit verboten.

Würfelnattern waren nicht immer so selten. Eine Reihe von Einflüssen hat in der Vergangenheit zu einem dramatischen Rückgang geführt und erschwert die Stabilisierung der Populationen zum Teil auch heute noch. Die Begradigung von Fließgewässern zerstörte häufig geeignete Lebensräume. Zudem sind Würfelnattern, ganz wie Amphibien bei ihren jährlichen Wanderungen, beim Wechsel in die Winterquartiere durch Straßen gefährdet. Selbst ufernahe Radwege können – mit bequemen Sonnenplätzen verwechselt – zur tödlichen Falle werden. Störung durch Touristen, Wassersportler und Schifffahrt kann die Tiere in Stress versetzen oder Lebensraumteile unbewohnbar machen. Aber auch das natürliche Umfeld kann Probleme bereiten: Zuwachsen der Uferregion sorgt für den Verlust wertvoller Sonnenplätze. Außerdem muss sich die Natter vor vielen Fressfeinden, wie Ratten, Fischreihern, Raubfischen und sogar Stockenten in Acht nehmen.

Heute werden die verbliebenen Vorkommen mit ausgefeilten Konzepten unterstützt. Bürger werden informiert, Tourismusverbände einbezogen und Naturschutzmaßnahmen durchgeführt. Hoffentlich bleibt uns diese ganz besondere Art in Rheinland-Pfalz noch lange erhalten!